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 Protokoll

 des Arbeitstreffens des Arbeitskreises Steinzeit des Nds. Landesvereins für Urgeschichte am 08.06.2001 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover

 

Mesolithische Fundplätze im Hannoverschen Wendland
nach einem Vortrag von Klaus Breest am 08.06.2001
im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover

1. Regionale und chronologische Gliederung des Mesolithikums in Niedersachsen

Im älteren Mesolithikum (Präboreal und Boreal) unterteilt man das heutige Niedersachsen einen nördlichen Teil, der dem, sich bis in das niedersächsische Bergland hinziehenden Kern- und Scheibenbeilkreis angehört[1] und im nördlichen Niedersachsen durch die Duvensee Gruppe repräsentiert wird, sowie einen südlichen Teil, der durch die weder Kern- noch Scheibenbeil führende Haltener Gruppe vertreten wird.
In den jüngeren Abschnitten des Mesolithikums (Atlantikum) wird der Kern- und Scheibenbeilkreis durch die Oldesloer Gruppe, der südniedersächsische Teil durch die Boberger Gruppe vertreten.
[2]

2. Prospektion und Erforschung mesolithischer Fundplätze

Um das Vorhandensein, die regionale Verbreitung, die Erhaltung und die ungefähre Zeitstellung der mesolithischen Fundplätze im Hannoverschen Wendland zu ermitteln, sind systematische archäologische Feldbegehungen die ökonomischste und effektivste Methode. Durch das Absammeln ohnehin gefährdeter Oberflächenfunde, wie es Herr Klaus Breest seit Jahren im Wendland betreibt, läßt sich auf diese Weise feststellen, ob genauere archäologische Nachforschung an diesen Fundplätzen lohnend erscheint.
Im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit gelang es Herrn Breest auf diese Weise neben zahlreichen Fundplätzen anderer Zeitstellungen auch eine Reihe von mesolithischen Fundplätzen im Bereich des Wendlandes nachzuweisen, die in einer Auswahl nach-folgend knapp dargestellt werden.
Besondere Beachtung findet dabei die naturräumlich- geographische Lage der einzelnen Fundplätze.

3. Die mesolithischen Fundplätze der Elbe- Jeetzel Niederung (Ldkr. Lüchow- Dannenberg)

3.1 Das mesolithische Fundareal bei Grabow (504/2) (504/7) (504/11)

Das Fundareal bei Grabow besteht nach derzeitigem Erkenntnisstand aus mindestens drei, im Fundinventar sehr gleichartigen, mesolithischen Fundstellen. Alle liegen in relativer Nähe zum ursprünglichen Verlauf des Flusses Jeetzel auf Sanddünen.[3]

Der 1979 entdeckte Fundplatz Grabow 1 wird aufgrund der überwiegenden mikrolithischen Formen in das endende Boreal bzw. beginnende Atlantikum des Nordkreismesolithikums datiert. Ein mittelhoher durchlochter Schuhleistenkeil kann als Kontaktfund zu mesolithisch /donauländischen Gruppen gewertet werden. [4]

In einer Distanz von wenigen hundert Metern in südwestlicher Richtung befindet sich auf einem Sandrücken der 1981 entdeckte Fundplatz Grabow 2. Wie Grabow 1 ist diese Fundstelle als mehrperiodischer Siedlungsplatz anzusprechen, dessen Hauptbesied-lungsphase anhand mikrolithischer Viereckformen und auftretender Beiltypen dem Spätmesolithikum oder ausgehenden Mesolithikum zugewiesen wird. Auffallend sind hierbei auch die auftretenden Flintartefakte, die als sägeartige Klingen, Bohrer und große Kratzer angesprochen werden.[5] 

Auf einem flachen Sandrücken, 1,4 km nordöstlich des Ortes Grabow, liegt ein weiterer, 1986 entdeckter Fundplatz. Die auf diesem Fundplatz Grabow 4 als Oberflächenfunde aufgelesen Mikrolithen legen eine Datierung in das borealzeitliche Mesolithikum nahe.[6]

 

3.2 Der mesolithische Fundplatz bei Soven (215/6) 

Der Fundplatz bei Soven, erstmals 1990 beobachtet, liegt ca. 600 m nordöstlich des Ortes Soven am Nordwestrand einer Sanddüne östlich der Alten Jeetzel.

Zum Fundinventar gehören neben Mikrolithen dreieckiger Ausformung auch ein Schleifstein sowie verkohlte Haselnußschalen und Holzkohlereste. Kern- oder Scheibenbeile fehlen hingegen. 
Als Zeitstellung ist das mittlere oder jüngere Boreal anzunehmen.
[7]

3.3 Das mesolithische Fundareal bei Klein Breese (581/2)

Im Bereich des Ortes Klein Breese wurden verschiedene Fundplätze nachgewiesen, die oft jedoch stark gestört waren und mit den wenigen Funden oft keine genauere zeitliche Einordnung zuließen.

1980 wurde an der Abbruchkante eines Sandabbaugebietes auf einer flachen Düne 1000m östlich des Ortes Klein Breese ein mesolithischer Fundplatz entdeckt, der äußerst günstige Erhaltungsbedingungen aufwies. Neben zahlreichen Flintartefakten kamen Feuerstellen- zum Teil mit Steinsetzungen- zum Vorschein, aus denen verkohlte Haselnußreste geborgen werden konnten. 1984 und 1985 folgten planmäßige Untersuchungen, bei denen insgesamt eine Fläche von 60m² freigelegt wurde.
Die Hauptanteil der geborgenen Funde wird aufgrund der gefundenen Mikrolithen in das späte boreale Mesolithikum eingeordnet.
Zwei 1991 in einiger Entfernung auf derselben Düne entdeckte Feuerstellen ergaben gleichfalls nach Radoicarbondatierungen eine Zeitstellung in das Spätboreal.
[8]

3.4 Der mesolithische Fundplatz bei Groß Breese (573/3)   

Neben den zahlreichen, zum Teil kaum datierbaren Fundstellen in der Umgebung der Ortschaft Groß Breese ist besonders ein 1980 ohne sichere Herkunftsbestimmung gefundenes Kernbeil erwähnenswert, das mit seinem D-förmigen Querschnitt morphologisch an einen frühneolithischen Schuhleistenkeil  erinnert.[9]

Weiterhin ist 1000m südöstlich der Ortschaft Groß Breese auf einem Dünenrücken ein mesolithischer Fundplatz bekannt, dessen Hauptnutzungszeit anhand der auftretenden Oberflächenfunde in das Boreal datiert wird. Gleichwohl indizieren zwei trapezförmige Mikrolithen eine Nutzung auch in der Phase des Atlantikums.[10]

 

3.5 Der mesolithische Fundplatz bei Schletau (547/1)

Auf dem 1979 bei Schletau entdeckten Fundplatz treten neben endborealen Mikrolithenformen auch Funde auf, die als Kontaktfunde zu bereits neolithischen Kulturen anzusprechen sind. Zu diesen Funden gehören ein Schuhleistenkeil und Reste verkohlter Kulturpflanzen.[11] Zur Verifizierung dieses Sachverhaltes fanden in den Jahren 1997 und 2000 Grabungen statt, deren abschließende Auswertung noch aussteht.

1] Anm.:  Auch außerhalb des beschriebenen Raumes gibt es wenige Fundinventare, die Kern- bzw. Scheibenbeile enthalten. (siehe Fiedler in Hermann / Jockenhövel (Hrsg.) „Die Vorgeschichte Hessens“ 1990, S. 120)

 [2] Schwabedissen „Die mittlere Steinzeit im westlichen Norddeutschland“, 1944
Schwarz- Mackensen „ Mesolithikum und Frühneolithikum im mittleren Niedersachsen“  in „ Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern“, Bd. 48, S. 46
Thieme „ Das Mesolithikum“ in Häßler (Hrsg.) „Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen“, 1991,  S. 102ff

[3] Breest „ Studien zur mittleren Steinzeit in der Elbe-Jeetzel-Niederung“ in: G. Wegner (Hrsg.), Beiträge zur Steinzeit in Niedersachsen. Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover 47,1997, S. 180ff

[4] ebenda, S. 180

[5] ebenda, S. 181

[6] ebenda, S. 182

[7] ebenda, S. 183

[8] Breest „ Studien zur mittleren Steinzeit in der Elbe-Jeetzel-Niederung, in: G. Wegner (Hrsg.), Beiträge zur Steinzeit in Niedersachsen. Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover 47,1997, S. 191ff

[9] ebenda, S. 199

[10]ebenda, S. 199f

[11]ebenda, S. 216ff  Breest „Ein Schuhleistenkeil von einem mittelsteinzeitlichen Fundplatz in der Gemarkung Schletau,  Ldkr. Lüchow-Dannenberg, Die Kunde N.F. 39, 1988, S. 53-62