Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
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Arbeitstreffen des Arbeitskreises Steinzeit des Nds. Landesvereins für Urgeschichte am 08.09.2000 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover

Dr. Bernd Stapel, Münster
Pfeilspitzen der Jungsteinzeit - Überblick zu Formen und Datierung

Zunächst wird der Aussagewert von Pfeilspitzen hinsichtlich Technik, Datierung sowie Wirtschaft und Gesellschaftsstruktur in urgeschichtlichen Kulturen gewürdigt. Der Referent verdeutlicht die Vorteile von Pfeil und Bogen gegenüber Speerschleudern, Speeren und Lanzen und berichtet kurz über typologische Merkmale (Herstellung aus Abschlägen, Umarbeitung von Klingen u.a., Querschneider und spitze Formen u.a.) sowie technologische (selektiertes Holz für Schäftung u.a.) Aspekte bei der Herstellung von Pfeilen bzw. Pfeilspitzen.

Im Folgenden stellt er niedersächsische Fundplätze mit Pfeilspitzen seit der Linienbandkeramik, Rössener Kultur, über die Michelsberger und Baalberger Kultur, Trichterbecherkultur sowie Walternienburg-/Bernburger Kultur bis zu den endneolithischen Becherkulturen vor. Dabei unterstreicht er die große Formenvielfalt von Pfeilspitzen und weist auf Veränderungen bei den jeweiligen Bearbeitungstechniken hin. Auf Grund des Fundmaterials lassen sich kaum feinere kulturelle Unterschiede heraus arbeiten, dagegen lassen sich über einen Formenvergleich Datierungen vornehmen. So treten in frühbäuerlichen Fundzusammenhängen (LBK) trapezförmige Formen auf, die möglicherweise auf mesolithisches Substrat zurück gehen, für die Michelsberger Kultur sind tropfenförmige Formen typisch, während in endneolithischen Zusammenhängen vollständig gemuschelte, gestielte oder geflügelte Pfeilspitzen vorherrschen. Schlanke Pfeilspitzen mit konvexen Seiten treten in frühbronzezeitlichen Zusammenhängen auf. Daneben kommen Pfeilspitzen von dreieckiger Form in diversen kulturellen Zusammenhängen vor, so dass diese Form für konkretere Zuweisungen - insbesondere, wenn sie als Oberflächenfund vorliegt - nicht geeignet ist. Dies gilt auch für die Querschneider; hinzu kommt, dass diese Form unter dem Siedlungsmaterial - anders als in Grabfunden mit eindeutigem Befund - häufig nicht definitiv zu klassifizieren ist. Hingegen als Grabfund geborgen, liefern sie in trichterbecherzeitlichen Zusammenhängen, wo viele Querschneider in schlechter Qualität auftreten, Hinweise für Änderungen in der Grabsitte. Hier ist der Aussagewert der Pfeilspitzen ungleich größer, als im Siedlungszusammenhang oder gar als Lesefund.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Funktionalität vor der Formgebung der Pfeilspitzen stand. Zum Abschluss ergibt sich eine rege Diskussion über die Vor- und Nachteile von Querschneidern gegenüber spitzen Formen. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage nach der Erfindung von Pfeil und Bogen gestellt. So werden die jungpaläolithischen Federmesser als Bewehrung für Pfeile interpretiert, und es stellt sich die Frage, ob nicht auch die Kerbspitzen der Hamburger Kultur diese Funktion inne hatten.