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Arbeitstreffen des Arbeitskreises Steinzeit des Nds. Landesvereins für Urgeschichte am 14.04.2000 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover

Dr. Stephan Veil, Hannover
Archäologische Funde von der Oberfläche - Methoden der Prospektion, Auswertung und Ergebnisse

Die weitaus meisten archäologischen Fundstellen sind Oberflächenfundplätze. Ihre kulturgeschichtliche Bedeutung als Siedlungsindikatoren ist seit Beginn des Jahrhunderts bekannt. Unter den Oberflächenfundplätzen sind steinzeitliche Fundstellen und ihr Fundmaterial besser repräsentiert als metallzeitliche Fundstellen, weil geschlagene Steinartefakte günstigere Erhaltungsbedingungen als urgeschichtliche Keramik, Metalle usw. haben und produktionsbedingt große Abfallmengen entstehen können. Die Entdeckung und Betreuung von Oberflächenfundplätzen wurde und wird gewollt oder ungewollt de facto Laien, in vielen Fällen engagierten Heimatforschern überlassen. Oberflächeninventare sind besonders häufig in Privatsammlungen vertreten.

Oberflächenfundplätze mit geschlagenen Steinartefakten sind kulturell schwerer ansprechbar, da die Beurteilung des Artefaktcharakters und die Lesung der technologischen Merkmale spezielle Fachkenntnisse und Erfahrung erfordern. Sie zeichnen sich durch die Seltenheit evidenter Befunde wie Bauresten und Gräbern aus. Die Streubereiche von Steinwerkzeugen und vor allem den Abfällen ihrer Herstellung, die produktionsbedingt in großen Mengen anfallen, sind ihre spezifischen Befunde und verlangen eine besondere Erfassung und Auswertung.

Steinzeitliche Oberflächenfundplätze sind gegenüber gegrabenen Fundplätzen, die den Ansprüchen moderner Grabungstechnik genügen, weit in der Überzahl, was ihre Bedeutung unterstreicht. So stellen sie regional oftmals die einzigen Relikte von Formengruppen, Kulturen oder Lagerplatztypen dar, während ungestörte Fundplätze seltener oder mangels Sedimentbedeckung gar nicht überliefert sind. Oberflächenfundplätze auf Ackerland können mehr sein als nur Fundpunkte auf Verbreitungskarten. Voraussetzung für weitere Auswertungen ist, dass die Fundkoordinaten dokumentiert sind. Moderne Vermessungstechnik ermöglicht eine vergleichsweise kostengünstige Bestimmung der Einzelfundkoordinaten. Obwohl die Befundgrenzen durch die Verlagerung durch Landwirtschaft unschärfer werden, zeichnen sich größere Befunde, wie etwa einzelne Lagerplätze, in der Regel noch ab. Selbst kleinräumige Feuerstellen sind manchmal nachweisbar. Erst wenn die Bedeutung einer Oberflächenfundstelle und ihr Potential festgestellt ist, kann sachgerecht über das weitere Vorgehen entschieden werden. Je nach Informationsgehalt, Gefährdung und Fragestellung können Stichproben der Oberflächenfunde genügen, die systematisch abgesucht und dokumentiert werden müssen. Bisweilen ist aber auch ein Aussieben bzw. Ausschlämmen der im Boden liegenden Funde nach Quadranten oder Viertelquadratmetern angezeigt.

Jede Maßnahme, ob parzellenweise Absammlung, wie in der Vergangenheit meist praktiziert, Punktkartierung oder Komplettbergung nach Flächeneinheiten, bedarf der sorgfältigen Überlegung und Planung. Bei der Entscheidung ist zu überlegen, ob ein Absammeln im alten Stil überhaupt archäologisch sinnvoll und angesichts der Schwächung der Denkmalsubstanz und des damit einhergehenden Informationsverlustes des Fundplatzes vertretbar ist. Sachlich wäre ein Ruhen lassen des Fundplatzes oft wohl die bessere Alternative. Dass in dieser Hinsicht viel Überzeugungsarbeit bei den Amateurarchäologen zu leisten ist, dürfte jedem in der Praxis Tätigen bekannt sein. Auf Bezirks- und Kreisebene existieren in Niedersachsen vielerorts schon Arbeitsgruppen von kooperationswilligen und archäologieinteressierten Laien, die eng mit den ehrenamtlichen Beauftragten, der Unteren und Oberen Denkmalschutzbehörde oder auch archäologischen Abteilungen der Museen zusammen arbeiten. Sie sind der einzig sinnvolle Ansatzpunkt für die Facharchäologie, dezentral aktive Aufklärung und Schulung zu betreiben und bei der Einmessung zu helfen, z.B. durch Praktikantenhilfe von Katasterämtern usw. Mit den kooperationswilligen Amateuren gemeinsam, könnten zunächst die eine nähere Untersuchung lohnenden Plätze festgestellt werden, um sich dann auf eine Auswahl zu konzentrieren.