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Protokoll

 des Arbeitstreffens des Arbeitskreises Steinzeit des Nds. Landesvereins für Urgeschichte am 14.12.2001 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover

Thema des Vortrags: Geschliffene Beile und Äxte des jüngeren Neolithikums
 

Referent:

Dr. Rainer Kossian, Hannover

Beginn:

17.00 Uhr s.t.

Teilnehmer:

20 Angehörige des Arbeitskreises Steinzeit

.

1.) Der Vorsitzende des Arbeitskreises, Herr Dr. Veil, begrüßt die Teilnehmer und stellt den Referenten sowie das Thema des Vortrages vor. Anschließend wurden die Teilnehmer gebeten, eventuelle Adressenänderungen im Mitgliederverzeichnis zu vermerken.

2.) Der Referent, Herr Dr. Kossian, gab zunächst einen Überblick über die Forschungsgeschichte im Bereich der Beile und Äxte des jüngeren Neolithikums und stellte die aus forschungsgeschichtlicher Sicht wichtigsten Arbeiten zu diesem Thema vor.

Dann erläuterte er das grundlegende Herstellungsschema eines Flintbeiles oder einer Flintaxt durch gezielte Schlag- und Schleiftechnik und die Arten einer Nachbesserung bzw. Umarbeitung. Besonders das letztgenannte Moment erschwert die eindeutige Zuordnung eines Artefakts zu einem Typ.
Da die Zuordnung eines Artefakts zu einem Beil- oder Axttyp oft auf der Relation bestimmter metrischer Daten beruht, ging der Referent nun auf die Datenerfassung an bestimmten markanten Stellen des Beiles bzw. der Axt ein, die nicht in allen Publikationen in gleicher Weise durchgeführt wird. All diese Faktoren beeinträchtigen die klare Typologisierung, die in Verbindung mit geschlossenen Befunden schließlich zu einer Datierung führen soll.

Anschließend ging Herr Dr. Kossian auf verschiedene „Grundtypen“ der jüngerneolithischen Beile und Äxte sowie ihre Zeitstellung ein. Hierbei beschrieb er anhand einiger Zeichnungen:

 

Spitznackiges Flintovalbeil

Michelsberger Horizont und Trichterbecherkultur (TBK) z.T. bis ins Endneolithikum   
.    

Dünnnackiges Flintrechteckbeil

ältere TBK (Dolmenzeit)

 

 .

Dicknackiges Flintrechteckbeil

späte TBK und Kugelamphorenkultur (selten mit geschliffenen Längsseiten)
.

Dick-/mittel-/dünnblattige Flintrechteckbeile
.

Sonderformen

Flachbeile

TBK und Einzelgrabhorizont (wahr scheinlich „Alltagsgerät“)

.
In Bezug auf die Datierung und Chronologie führte der Referent an, dass es zwar in Dänemark durch das Vorhandensein von Einzelbestattungen der TBK gelungen sei, eine Chronologie der Beilformen im Mittelneolithikum II- IV aufzustellen, in Niedersachsen aber die Nachbestattungssitte in Kollektivgräbern ein ähnliches Vorgehen im Ansatz erheblich erschwert.
 

Des Weiteren stellte er eine Auswahl an Flintmeißeln vor, die im jüngeren Neolithikum vorkommen. Neben dem Hauptrohstoff Flint treten weiterhin vom Endmesolithikum bis Endneolithikum Beile aus Felsgesteinen auf. Sie lassen sich in Felsrundbeile, Felsovalbeile und Felsrechteckbeile untergliedern. Eine Besonderheit bilden lediglich die Felsabsatzbeile des endneolithischen Aunjetitzerhorizonts.

Neben der Grundform des Beiles ging Herr Dr. Kossian nun auf die Typologie, die Möglichkeiten der metrischen Erfassung und Chronologie der Flintäxte des jüngeren Neolithikums ein, und stellte hierbei folgende Grundtypen dar:

 

Flache Hammeraxt
Knaufhammeraxt
 

ältere und mittlere TBK

Doppelaxt

(auch Amazonenaxt) - TBK
 

Nackenkammaxt

Kugelamphorenhorizont
 

Gemeineuropäische Hammeraxt

( Differenzierung A-L)
Schnurkeramische Kultur (z.T. mit Gussnahtimitationen und asymmetrischer Seitenform)
 

Mitteldeutsche Hammeräxte
Diverse stark funktionale Typen

Glockenbecherhorizont

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Mit den stark auf Funktionalität ausgerichteten Typen des Glockenbecherhorizonts zeichne sich gleichzeitig ein Bedeutungsverlust der Axt im Neolithikum ab. Die aufwendig gearbeiteten Äxte (Statussymbol?) wurden möglicherweise in ihrer Bedeutung durch Bronzedolche abgelöst.

3.) Anschließend dankte Herr Dr. Veil dem Referenten für seinen aufschlussreichen Vortrag und gab Gelegenheit zu Nachfragen. Hieran schloss sich eine allgemeine Diskussion zu archäologischen Fragestellungen an.

Ende des Arbeitstreffens gegen 19.30 Uhr.

Protokollant: Johann Friedrich Tolksdorf