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Arbeitstreffen des Arbeitskreises Steinzeit des
Nds. Landesvereins für Urgeschichte am 23.06.2000 im Niedersächsischen
Landesmuseum Hannover
Yves Gautier, Hannover
Einführung in das traditionelle
Zeichnen urgeschichtlicher Keramik: Theorie und Praxis
Es wurde zunächst auf die Rolle der
Zeichnung als Vergleichsmittel für die Wissenschaftler hingewiesen, da
die Zeichnung anders als die Fotografie eine Interpretation darstellt.
Als Hilfsmittel wurden Profilkamm, Messgabel (oder Rechenschieber),
Messzange, ein großes Geodreieck, Lineal und Druckbleistift (0.5 mm)
aufgeführt.
Man unterscheidet bei den Gefäßresten
zwischen Rand-, Wand- und Bodenscherben. Da sich Ränder am besten für
die Rekonstruktion der Gefäßformen und -volumen eignen, wurde die
Orientierung von Randscherben anhand einer Reihe von fotografierten
Montagen (orientierte Scherbe auf Profilzeichnung) vorgeführt und
deren grundlegende Bedeutung dadurch sichtbar. Diese Orientierung kann
auf zwei Weisen erreicht werden: 1. Der gebogene Rand wird in seine
ursprüngliche Lage als oberer Abschluss des Gefäßes gebracht und dabei
nach innen oder außen gedreht, bis der Randabschluss eine
Bezugshorizontale möglichst in allen Punkten überdeckt; 2. Der
gebogene Randabschluss wird gegen eine flache Fläche (Tischplatte)
gehalten und soweit nach innen oder außen gedreht, bis er die besten
Kontaktlinie mit der Unterlage bildet. Letztere Art ist beim Zeichnen
vorzuziehen. Sie ermöglicht einerseits die Ermittlung des
Mündungsdurchmessers, da die Krümmung des orientierten Randabschlusses
mit vorgezeichneten Krümmungslinien (Mündungsdurchmesser) verglichen
werden, andererseits die Abmessung der Höhe (Strecke zwischen
Oberkante und Unterkante der Randscherbe) der geneigten Scherbe. Diese
senkrecht zu einer bereits gezeichneten Horizontale übertragene
Strecke erlaubt eine Parallele zu zeichnen, so dass eine Art Schiene
entsteht. Erst mit der richtigen Neigung wird das mit dem Kamm
abgenommene Randprofil (Aussenwand der Scherbe) in diese Schiene
hineinpassen. Danach wird noch das Profil der Innenwand angefügt, so
dass nun die Wanddicke zu sehen ist. Konnte der Mündungsdurchmesser
ermittelt werden, wird das Gefäßprofil spiegelverkehrt auf der anderen
Seite übertragen.
Schließlich wurde kurz auf die
verschiedenen Darstellungsstile (Profil leer, schraffiert oder schwarz
gefüllt) und auf die Darstellungsmittel eingegangen, mit denen
technische Informationen (Schlick, Verzierungsarten, Bemalung,
Klebreste usw.) vermittelt werden.

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