.


Archäologie -
nostalgisch (?)

 

Home
Landesmuseum
Arbeitskreis Steinzeit
Publikationen
Landesverein
Freundeskreis
Termin-Kurzübersicht
Links
Sitemap
.
Home > Publikationen > Archäologie nostalgisch (?) > Schleifstein

 

Die Kunde Neue Folge 6 - Heft 3-4 - Jahrgang 1955

.

- 2 -

Der Fund ist eine 10,2 cm lange und 7,9 cm breite Platte aus dunkelbraunrotem Buntsandstein, wie er wenige Kilometer südlich der Fundstelle im Hildesheimer Wald ansteht. Ihre Stärke beginnt an der Schmalseite 1 (vgl. Abb. 1) mit 1,7 cm und erreicht an der gegenüberliegenden Seite (3) das größte Maß von 2,15 cm. Während eine Längsseite (2) nahezu gradlinig verläuft, sind alle übrigen Seiten unregelmäßig gekrümmt. Das Stück ist allseitig gut geglättet, die Kanten sind gerundet abgeschliffen. Lediglich die gebogene Längsseite (4) zeigt im Mittelteil noch den rohen, unbearbeiteten Zustand. Die völlig flache, gut geschliffene Unterseite weist einige kleine rezente Beschädigungen auf. In die sauber geglättete Oberfläche ist ohne schärferen Übergang eine ovalförmige, flache Vertiefung eingeschliffen, durch die zwei sich kreuzende, geradlinige, schwache Rillen verlaufen. Ähnliche, nur leicht eingeritzte geradlinige Rillen, stets gruppenweise angeordnet finden sich noch an den Seiten 1, 2 und 3; hier laufen sie über die abgerundete Kante hinweg bis auf die Schmalseiten.

Das auffälligste an dem Stück sind die drei gekrümmten Seitenflächen. Dicht nebeneinanderliegend sind hier kleine, teilweise sich überschneidende oder sich kreuzende Ringe eingeschliffen, die nahezu alle den gleichen Durchmesser von 0.9 cm besitzen, nur wenige wechseln zwischen 0,75 und 1,0 cm. Die Ringe sind verschieden tief in den Stein eingeschliffen, und zwar ist dies ähnlich einer Hohlbohrung erfolgt. Der Kern ist als eine gleichmäßig abgerundete, kleine Kuppe stehengeblieben; nur gelegentlich ist diese beschädigt oder abgebrochen. Zwischen vollständig ausgearbeiteten Ringen sind hier und da auch nur Ansatzstellen einer "Bohrung" in Form kleiner, schwach eingetiefter Bögen erkennbar. Diese kreisförmigen Rillen können wohl nur mit einem dünnwandigen, scharfen, bzw. harten Hohlstab eingeschliffen worden sein, denn verschiedentlich sind in den Kreisrillen schmale, feine Gratbögen stehen geblieben, die darauf schließe lassen, daß hier mehrmals zu einer Bohrung angesetzt worden ist.

Zweifelsohne handelt es sich um einen Schleifstein mit mehrfachem Verwendungszweck. Während die gut polierte Oberfläche wohl zum Glätten benutzt wurde, dienten die Schmalseiten sicherlich dazu, röhrenförmige Metallgegenstände an der Öffnung anzuschleifen. Nun erhebt sich die Frage: Handelt es sich überhaupt um ein urgeschichtliches Fundstück? Gegebenenfalls wären damit interessante technische Hinweise gegeben. Wie eingangs erwähnt, ist die Fundstelle durch neolithisches und wahrscheinlich auch eisenzeitliches Material belegt. Es wurde weiterhin darauf hingewiesen, daß die kreisförmigen "Hohlbohrungen" allem Anschein nach mit einem Metallgegenstand ausgeführt worden sind: Damit würde eine jungsteinzeitliche Einordnung entfallen. Sind andernorts bereits ähnliche Stücke beobachtet worden? Verfasser wäre für Hinweise und Bekanntgabe von Vergleichsstücken dankbar.


  1 2