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Eisenzeit. Die Germanen in Niedersachsen.
(vorrömische Eisenzeit und römische Kaiserzeit; ca. 600 vor bis 375 nach Christi Geburt)

Presse-Information zur Eröffnung der Ausstellung am 21. Januar 2000
 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover
 

I. Die vorrömische Eisenzeit
 (ca. 600 bis Christi Geburt)

II. Die römische Kaiserzeit
(bis ca. 375 n. Chr.)

I. Die vorrömische Eisenzeit (ca. 600 bis Christi Geburt)

Eisenerzverhüttung und Eisenverarbeitung machte die bäuerlichen Kulturen unseres Gebietes allmählich unabhängig von den bisherigen Rohstoffen, die eingeführt werden mussten: Bronze und Zinn. Eisenerz stand im heimischen Bereich, besonders im Flachland in Form des Raseneisenerzes, in ausreichender Menge zur Verfügung.

Zu einer umfangreichen Nutzung des neuen Materials kommt es im nördlichen Mitteleuropa um 400 vor Chr.

Die früheste eisenzeitliche Kultur im nördlichen Mitteleuropa, in Jütland und auf den dänischen Inseln ist die Jastorf-Kultur (benannt nach einem Friedhof bei Jastorf, Ldkr. Uelzen). Die Träger dieser Kultur waren germanischen Stämme. Ihre Sprache hatte sich in diesen Jahrhunderten endgültig aus der indoeuropäischen Sprachfamilie ausgesondert. Antike Überlieferung erwähnt die "Germanen" zum ersten Mal im 2. Jahrhundert v. Chr. Griechen und Römer hatten gelernt, sie von Kelten und Skythen zu unterscheiden. Der Name "Germanen" ist von einem links des Rheines siedelnden Stamm auf alle Stämme gleicher Sprache übertragen worden.

Die Jastorf-Kultur hebt sich deutlich durch ihr Sachgut von der keltischen Kultur des südlichen Mitteleuropa ab. Innerhalb der Jastorf-Kultur gibt es dann regionale Gruppen mit Unterschieden in Tracht, Schmuck und in den Grabformen.

 

Auf niedersächsischem Gebiet lassen sich besonders zwei solcher Gruppierungen erkennen:

  • im Nordosten das eigentliche Jastorf-Gebiet (Lüneburger Heide, untere Elbe),
  • an der Aller und an der mittleren Weser die sog. Nienburger Gruppe mit mehr keltischem Sachgut und mit besonderen Trachtsitten.


Hausbau, Ernährung, Wirtschaftsweise

Auf der bäuerlichen Wirtschaftsweise fußend, lebte die Bevölkerung in kleinen Dörfern oder in verstreut liegenden Gehöften.

Die besten Einblicke in die Wohnweise geben Ausgrabungen, wegen der guten Erhaltungsbedingungen besonders im Marschenbereich. Die Häuser sind dreischiffige Hallenhäuser mit Wohn- und Stallteil unter einem Dach und als solche sind sie Vorläufer der späteren niederdeutschen Hallenhäuser.

Im Bergland des südlichen Niedersachsen sind auch befestigte Höhensiedlungen bekannt, eher Fluchtburgen denn Dauersiedlungen: bei Gefahr zog sich die Bevölkerung aus den Tälern mit dem Vieh auf die Höhen zurück.

Ackerbau und Viehzucht bildeten die Hauptzweige der Nahrungsmittelproduktion. Als Getreide baute man Gerste, Weizen, Hafer und Hirse an. Man kannte Ackerbohne, Erbse und Linse sowie Lein und Leindotter. Haustiere waren Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Pferde und Hunde sowie vereinzelt Geflügel. Jagd und Fischfang waren von untergeordneter Bedeutung.
 

Das Handwerk

Im Metallhandwerk übernahm die Eisenverarbeitung die führende Rolle. Der Bronzegießer war aber noch nicht überflüssig, besonders Schmuck und Trachtzubehör wurden jetzt aus Bronze gegossen (Nadeln, Fibeln, Arm- und Halsringe). Wie seit Jahrtausenden wird die Keramik handgeformt, nur im Süden im engeren Kontaktbereich mit den Kelten kennt man auch auf der Scheibe sorgfältig gedrehte Gefäße.

Eisengewinnung und Eisenverarbeitung

Die frühesten einheimischen Eisenprodukte sind Tüllenbeile und Halsringe aus Barsinghausen, Ldkr. Hannover, aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., sowie Gegenstände des Hortfundes von Stolzenau, Ldkr. Nienburg.

Eisenverhüttung, Eisenerzeugung und Eisenverarbeitung sind an vielen Orten Niedersachsens in Form von Rennfeueröfen, Ausheizherden, Schmiedeplätzen und Meilergruben nachgewiesen. Eisenschlacken als Spuren der Eisengewinnung liegen fast aus jeder Siedlung vor. Die einzelnen Siedlungsgemeinschaften deckten wohl ihren Bedarf an Eisen selbst. 3-5 Männer, so schätzt man, waren zur Bewältigung aller Arbeiten erforderlich.

Rohstoffquelle war vor allem das Rasen- oder Sumpfeisenerz aus den feuchten Niederungen. Im Boden lagerndes Eisen wird auch heute noch vom Grundwasser gelöst und nahe der Oberfläche durch den Sauerstoff unter Mitwirkung von Mikroorganismen ausgefällt und in Schichten bis zu 2 m Mächtigkeit als Raseneisenerz abgesondert.

Zur Verhüttung benötigte man große Mengen Holzkohle. Versuche zeigten, dass zur Gewinnung von 1 Kg Eisen ca. 30 Kg Holzkohle erforderlich waren. Verhüttet wurde das Erz in kleinen Schachtöfen, die ca. 1 m hoch waren (siehe Modell in der Ausstellung). Schmelzpunkt des Eisens ist 1539 °C; in diesen Anlagen wurden aber nur ca. 1200 °C erreicht. Das Erz schmolz nicht, sondern "zerrann" (daher die Bezeichnung "Rennfeuerofen").

Nach Abschluss des "Rennverfahrens" wurde der Ofenmantel zerschlagen, aus der eisenreichen Schlacke wurden die Eisenkügelchen ausgelesen. Diese wurden in "Ausheizherden" erneut erhitzt und dann so lange gehämmert, bis das schmiedbare Roheisen ausreichend gereinigt war und zu Schmuck, Werkzeugen und Waffen weiterverarbeitet werden konnte.
 

Handel und Verkehr

In der Jastorf-Kultur ist fremder Einfluss selten, in der Nienburger Gruppe gibt es Zeugnisse für rege Beziehungen zur süddeutschen Hallstatt- und Latènekultur. In der Frühphase (also um 500 v. Chr.) sind es besonders Bronzeblechgefäße aus dem Alpengebiet und aus dem Mittelrheingebiet. In ihrem Ursprungsgebiet vermutlich als Mischgefäße für Wein benutzt, dienen sie hier in letzter Verwendung als Behältnis für den Leichenbrand (Urne).

Tracht und Schmuck

Wegen der Vergänglichkeit organischer Substanzen sind wir über die Kleidung der eisenzeitlichen Menschen nur ungenügend informiert. Gelegentlich in Mooren gefundene Gewebe geben Hinweise auf deren Aussehen, metallene Schmuck- und Trachtbestandteile erlauben ergänzende Einblicke.

Zur Frauentracht gehören lang- und kurzärmelige Blusen, Schultertücher und lange Röcke sowie für kältere Jahreszeiten Pelzumhänge und Hauben aus Stoff oder Fell.

Die Männer trugen über den Hosenbund fallende weite Kittel und lange Hosen. Beliebt waren offenbar große deckenförmige Umhänge, die wohl vorzugsweise bei kühler Witterung angelegt wurden.

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Schuh aus dem Moor bei
Benstreek, Ldkr. Ammerland

Der Schmuck und metallene Trachtbestandteile unterlagen modischen Strömungen und sind deshalb für den Archäologen wichtiges chronologisches Instrumentarium.

Religion und Kult

Steine und Bäume, Moore und Seen, Quellen und Flüsse galten als Sitz der Götter und wurden als heilige Orte verehrt. Hier legte man die Weihegaben nieder.

Vor allem Ringschmuck wurde als Opfergaben in den Mooren deponiert: vielleicht als Gaben von Frauen an weibliche Gottheiten.

Totenbrauchtum und Bestattungssitten

Die Toten werden in den Jahrhunderten vor Chr. ohne Ausnahmen verbrannt, und zwar werden sie in ihrer Kleidung und mit ihrem Schmuck auf die Scheiterhaufen gelegt. Grab- und Bestattungsformen sind regional und zeitlich verschieden.


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