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Die Kunde N. F. 50,
1999, S. 205-210
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Ein Faustkeil von
Schweringen, Ldkr. Nienburg (Weser)
Von Klaus Breest
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Fundgeschichte
Fritz Bischoff, Wechold, Ldkr.
Nienburg (Weser), fand im Herbst 1998 im Kieswerk "Schweringer
Marsch" der Kiesbaggerei Firma Baltus auf der Überkornhalde
einen an den Kanten rezent beschädigten großen Faustkeil (TK 25
000, 3221 Eystrup, etwa r 35 12 700; h 58 47 000).
Es ist der vierte Fund eines
Faustkeiles, den F. Bischoff in den letzten Jahrzehnten in
Kiesabbaugebieten der Weser-Niederung machen konnte. Aus dem
Kieswerk Hassel (Oldenburg
1979a, 13-16; Abb. 1-3; Tafel 1) ist ein Faustkeil und aus dem Werk
Balge (Oldenburg
1979c, 149-154) sind zwei Faustkeile überliefert.
H. Oldenburg, der den Verfasser vom
Neufund bei Schweringen in Kenntnis setzte und im Auftrage von F.
Bischoff um Veröffentlichung bat, teilte brieflich mit: "Herr
Bischoff geht schon seit vielen Jahren seinem großen Interesse an
archäologischen Funden aus Kiesbaggereien im Bereich der
Mittel-Weser nach, für das er allerdings neben der Bewirtschaftung
seines landwirtschaftlichen Betriebes nur wenig Zeit findet."
Daher ist es besonders erfreulich, dass dieser erneute Faustkeilfund
gelingen konnte.
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Vermutete Altersstellung
Nach verschiedenen anderen
Vergleichsfunden von ausgebaggerten Faustkeilen und Kernstein- und
Abschlagmaterialien aus dem Niedersächsischen Tiefland z. B. im
Bereich des Weserlaufes zwischen Nienburg und Verden (Aller) wurden
auch zahlreiche Faunenreste kaltzeitlicher Arten bekannt, die
möglicherweise aus weichselzeitlichen Tiergesellschaften stammen
könnten. Eine sichere Zuordnung von Funden aus Nassbaggereien ist
jedoch nicht zu gewährleisten. Nach typologischen Kriterien lassen
sich über die Steinartefakte ebenfalls nur unverbindliche Aussagen
treffen. In der Regel werden in den Nassbaggereien (freundliche
Mitteilung H. Oldenburg, Verden) weichselzeitliche
Niederterrassenkiese abgebaut, so dass die liegenden saalezeitlichen
Ablagerungen nicht erfasst werden.
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Abb. 1
Schweringen, Ldkr. Nienburg (Weser)
Faustkeil aus Feuerstein, Oberseite.
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Von einer pauschalen Zuordnung
derartiger Baggerfunde, die ja stets nur als
Einzelsammelfunde aufgrund ihrer nicht mehr
nachvollziehbaren stratigraphischen Einlagerung gewertet
werden können, in das Jungacheuléen bzw. in die
Saale-Kaltzeit und damit in die Lebenstedter Gruppe (Bosinski
1967), muss heute Abstand genommen werden. Die Funde von
Salzgitter-Lebenstedt (Busch,
Schwabedissen 1991),
Lichtenberg (Veil, Breest
u. a. 1994) und wahrscheinlich auch von Ochtmissen (Thieme,
Richter 1994) haben
gezeigt, dass Anteile großer Faustkeile auch noch in der
Frühweichsel-Kaltzeit die Steinartefaktinventare maßgeblich
mitbestimmen können. Nach H. Oldenburg (mündl.
Mitteilung) handelt es sich z. B. auch im Falle der
umfangreichen Baggerfunde aus dem Wesertal bei Drakenburg,
Ldkr. Nienburg (40 Faustkeile und Begleitmaterial;
Veröffentlichungen in Vorbereitung), die bei Probebohrungen
des Amtes für Bodenforschung Hannover zutage kamen, bei den
einbettenden Sedimenten um weichselzeitliche Flußablagerungen.
Nach Informationen des Baggerführers lagen die Artefakte wie
auch das geborgene kaltzeitliche Faunenmaterial - insbesondere
vom Mammut - in der Regel im Basisbereich der Niederterrasse.
H. Oldenburg zweifelt daher nicht an einem ebenfalls
weichselzeitlichen Alter des Schweringer Faustkeiles.

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