.


DIE KUNDE - nostalgisch (?)

 

Home
Landesmuseum
Arbeitskreis Steinzeit
Publikationen
Landesverein
Freundeskreis
Termin-Kurzübersicht
Links
Sitemap
.
Home > Publikationen Übersicht > Archäologie nostalgisch (?)

 

Die Kunde Heft 4, 5 - 1944

.

Osterbräuche im Kreise Dannenberg
von Friedrich Lippe, Lehrer in Bösel, Kr. Dannenberg

1. Der Osterbaum

In den Dörfern Prezelle und Lomitz im Kreise Dannenberg gab es bis zum Kriege statt des Osterfeuers einen Osterbaum. In den Tagen vor Ostern sammelten die Knaben Kienspan, Stroh und Geld; für das Geld wurden Nägel und Draht gekauft. Eine gerade Kiefer, die von allen Zweigen befreit war, wurde mit Kienholz benagelt und mit Stroh umwickelt. Oben hinauf kam dann noch ein Bienenkorb oder ein Teertopf, damit die Spitze gut brennen sollte.

Am Abend des 1. Ostertages wurde der Osterbaum zu einem Hügel gefahren, mit Hilfe Erwachsener aufgerichtet und bei Beginn der Dunkelheit angezündet. Hatte die Sammlung reichlich Kienholz ergeben, so wurde auch wohl noch ein zweiter kleinerer Baum errichtet. Der Baum, der nicht ganz aufbrannte, wurde dann von den Knaben noch verkauft. - Allerdings wurde auch wohl in den letzten Jahren neben dem Osterbaum, der die Hauptsache war, ein kleiner Haufen Osterholz entzündet.

2. Kreienköst

Bis zu diesem Kriege hatten in den Dörfern westlich von Lüchow (Lübeln, Karmitz, Marlin) die Knaben und auch die "Knechte" (alle jungen Männer bis zu ihrer Verheiratung) am Sonntag nach Osteren Kreinköst. An diesem Tage zogen die Knaben von Haus zu Haus, um Eier zu sammeln. Vorangetragen wurde ein Stock, der in ein Astgabel endigte. In der Astgabel war ein altes Krähennest befestigt, in dem 4-5 (meist ausgeblasene) Kräheneier lagen. Falls keine Kräheneier da waren, nahm man auch Elster- oder Holzhähereier. Vor jedem Hause wurde gesungen:

 

.
Teihn Eier, teihn Eier
in unsere Kiep.
Wi sünd arm
und si sünd riek.
Gäwn ji uns keen teihn Eier,
dann schall uns' Hahn ju Höhner nich mehr trä'n!
.

Darauf bekamen die Knaben Eier, die dann verkauft wurden. Vom Geben schloß sich keiner aus. Das Geld wurde dann verteilt, doch so, daß die älteren Knaben mehr, die kleineren weniger bekamen.

Kreinköst war stets am Sonntag nach Ostern. Ich erinnere mich, daß wir, als wir früher einmal Kreienköst am Sonntag vor Ostern hatten, von verschiedenen älteren Leuten darauf hingewiesen wurden, daß Kreinköst am Sonntag nach Osten sei.

Die Knechte gingen ohne Eiernest und Gesang von Haus zu Haus und "schnurrten" Eier. Manchmal wurde aber statt der Eier Geld gegeben.

In den Dörfern des Örings und den Tannendörfern östl. Lüchow ist dieser Brauch nicht bekannt.


Nachschrift: Der von Wustrow ausgehende Brauch hängt zusammen mit dem Abschießen der Krähen in den Krähenkolonien im "Fehl", einem Gehölz bei Wustrow, und in anschließenden Gehölzen und bedeutete ursprünglich den festlichen Abschluß dieser Krähenjagden. Auch als die Jagden aufhörten, ist der Brauch, den übrigens Harry Hahlbohm zum Gegenstand eines mehrfach aufgeführten Einakters genommen hat, in den Dörfern westlich Wustrow und Lüchow beibehalten. Die beiden Schlußzeilen lauten in einigen Dörfern:
 

.
Un wenn ji uns keen Eier gäben,
denn schall uns' Hahn ju Höhner nich trä'n.
.