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1. Der Osterbaum
In den Dörfern Prezelle und Lomitz im Kreise Dannenberg gab
es bis zum Kriege statt des Osterfeuers einen Osterbaum. In
den Tagen vor Ostern sammelten die Knaben Kienspan, Stroh
und Geld; für das Geld wurden Nägel und Draht gekauft. Eine
gerade Kiefer, die von allen Zweigen befreit war, wurde mit
Kienholz benagelt und mit Stroh umwickelt. Oben hinauf kam
dann noch ein Bienenkorb oder ein Teertopf, damit die Spitze
gut brennen sollte.
Am Abend des 1. Ostertages wurde der Osterbaum zu einem
Hügel gefahren, mit Hilfe Erwachsener aufgerichtet und bei
Beginn der Dunkelheit angezündet. Hatte die Sammlung
reichlich Kienholz ergeben, so wurde auch wohl noch ein
zweiter kleinerer Baum errichtet. Der Baum, der nicht ganz
aufbrannte, wurde dann von den Knaben noch verkauft. -
Allerdings wurde auch wohl in den letzten Jahren neben dem
Osterbaum, der die Hauptsache war, ein kleiner Haufen
Osterholz entzündet.
2. Kreienköst
Bis zu diesem Kriege hatten in den Dörfern westlich von
Lüchow (Lübeln, Karmitz, Marlin) die Knaben und auch die
"Knechte" (alle jungen Männer bis zu ihrer Verheiratung) am
Sonntag nach Osteren Kreinköst. An diesem Tage zogen die
Knaben von Haus zu Haus, um Eier zu sammeln. Vorangetragen
wurde ein Stock, der in ein Astgabel endigte. In der
Astgabel war ein altes Krähennest befestigt, in dem 4-5
(meist ausgeblasene) Kräheneier lagen. Falls keine
Kräheneier da waren, nahm man auch Elster- oder
Holzhähereier. Vor jedem Hause wurde gesungen:
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Teihn Eier, teihn Eier
in unsere Kiep.
Wi sünd arm
und si sünd riek.
Gäwn ji uns keen teihn Eier,
dann schall uns' Hahn ju Höhner nich mehr trä'n!
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Darauf bekamen die Knaben Eier, die dann verkauft wurden.
Vom Geben schloß sich keiner aus. Das Geld wurde dann
verteilt, doch so, daß die älteren Knaben mehr, die
kleineren weniger bekamen.
Kreinköst war stets am Sonntag nach Ostern. Ich erinnere
mich, daß wir, als wir früher einmal Kreienköst am Sonntag
vor Ostern hatten, von verschiedenen älteren Leuten darauf
hingewiesen wurden, daß Kreinköst am Sonntag nach Osten sei.
Die Knechte gingen ohne Eiernest und Gesang von Haus zu Haus
und "schnurrten" Eier. Manchmal wurde aber statt der Eier
Geld gegeben.
In den Dörfern des Örings und den Tannendörfern östl. Lüchow
ist dieser Brauch nicht bekannt.
Nachschrift: Der von Wustrow ausgehende Brauch hängt
zusammen mit dem Abschießen der Krähen in den
Krähenkolonien im "Fehl", einem Gehölz bei Wustrow, und
in anschließenden Gehölzen und bedeutete ursprünglich
den festlichen Abschluß dieser Krähenjagden. Auch als
die Jagden aufhörten, ist der Brauch, den übrigens Harry
Hahlbohm zum Gegenstand eines mehrfach aufgeführten
Einakters genommen hat, in den Dörfern westlich Wustrow
und Lüchow beibehalten. Die beiden Schlußzeilen lauten
in einigen Dörfern:
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Un wenn ji uns keen Eier
gäben,
denn schall uns' Hahn ju Höhner nich trä'n.
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