|

|
.

Franz zeigt
endlich sein wahres Gesicht
Artikel in der
Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
vom 04.12.2001
|
 |
|
Er hat es zu
internationaler Berühmtheit gebracht - und das, ohne dass
jemand sein Gesicht gesehen hätte. Vom "Roten
Franz", der Moorleiche aus dem Niedersächsischen
Landesmuseum, kennen die Besucher lediglich die markanten
roten Kopf- und Barthaare. Bisher jedenfalls. Doch jetzt
soll Franz endlich wieder ein Gesicht bekommen: Für die
internationale Wanderausstellung "Der
Tempel im Moor", die von Mai bis September 2002 im
Landesmuseum zu sehen sein soll, werden seine individuellen
Züge rekonstruiert. Das hannoversche Museum und seine
Partnermuseen aus den Niederlanden und Kanada haben für
diese Arbeit einen weltweit anerkannten Experten gewonnen:
Richard Neave (64) heißt der Mann, der das Gesicht von
Franz rund 1700 Jahre nach dessen Tod nachbildet.
|
 |
Ein Künstler bei der Arbeit:
Richard Neave rekonstruiert mit Hilfe hochmoderner Technik das
Gesicht des Roten Franz
(Surrey)
|
|
Der Experte aus Manchester, der
gerade zu einem Arbeitsbesuch in Hannover war, ist von Haus
aus bildender Künstler, aber seit langem für die
Gerichtsmedizin und für Museen tätig. Bevor er mit seiner
schweren Tasche anrückt, Modellierwerkzeuge und Wachs
auspackt, bestimmt hochmoderne Technik das Geschehen. So
auch beim "Roten Franz": Sein stark zerdrückter
Schädel wurde in einem Computertomografen an der
Medizinischen Hochschule Hannover gescannt und dann als
Computerbild wieder "zurechtgerückt".
Anschließend wurde ein Kunststoffmodell angefertigt, auf
dem Neave Gesichtsmuskeln, Gewebe und Haut aus Wachs und Ton
formt. Mit Hilfe spezieller Berechnungen aufgrund der
Beschaffenheit des Ursprungsschädels kann er das ungefähre
Aussehen von Augen, Nase und Mund bestimmen.
"Doch es ist auch für
mich immer wieder eine Überraschung, wie das Gesicht
schließlich aussieht", meint der Künstler. Der
endgültige Gesichtsausdruck sei auch mit modernsten
Methoden nicht vorher zu sagen. Wie fühlt man sich denn
überhaupt, wenn man seit mehr als 25 Jahren am Ende der
Arbeit in das Gesicht eines Toten blickt? "Es
beunruhigt mich nicht", sagt Neave. Früher oder
später werde eben jeder zu Staub. Das gelte im Übrigen
auch für seine Rekonstruktionen und für die Arbeit von
Museen allgemein. "Mit unserer Tätigkeit können wir
den großen Prozess des Werdens und Vergehens doch nur für
eine Weile unterbrechen."
(ste)

|
|
|