| Rätsel gelöst: Der
Rote Franz, der seinen Namen seiner gut erhaltenen Haarpracht
verdankt, wurde höchstwahrscheinlich umgebracht. Vom Mai nächsten
Jahres an bekommen seine Fans auch eine Vorstellung davon, wie der
Mann aus dem Moor im Emsland im Gesicht ausgesehen hat.
Gerichtsmedizin
bringt es an den Tag:
Der Mann aus dem Moor starb keines natürlichen Todes
Ein berühmter
Hannoveraner ist offenbar einem Gewaltverbrechen zum Opfer
gefallen – Unbekannte haben dem „Roten Franz“ allem
Anschein nach die Kehle durchgeschnitten und ihn im Moor
versenkt. Trotz dieser brandaktuellen rechtsmedizinischen
Erkenntnisse gibt es kaum Aussichten den Mörder zu fassen.
Denn Franzens Leiche fand der Torfstecher Bernhard Hebers
schon vor 101 Jahren und die Bluttat geschah in der jüngeren
römischen Kaiserzeit (200 bis 400 n.Chr.). Berühmt
geworden ist Franz aber erst als Moorleiche – tausende
Schulkinder haben sich im Landesmuseum schon mal die Nase an
seinem Glaskasten platt gedrückt. Wegen einer
bevorstehenden großen Ausstellung mit dem Titel „Der
Tempel im Moor“ wollte das Landesmuseum das Rätselraten
(„Wie hat Franz gelebt und wie ist er gestorben“?)
beenden und ließ die mumifizierte Leiche von Experten in
der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchen. Und der
Rechtsmediziner Detlef Günther wurde an der mit Abstand ältesten
Leiche seiner Laufbahn tatsächlich fündig. Er entdeckte
einen „schartenartigen Defekt“ in der vertrockneten Haut
am linken Schlüsselbein und eine dazu passende Kerbe im
darunter liegenden Knochen. Rechtsmediziner legen sich
bekanntlich ungern fest. Günther sagt immerhin so viel:
„Diese Verletzung könnte todesursächlich gewesen
sein.“ Und die Wunde könnte durch einen Speer ein Messer
oder eine Streitaxt verursacht worden sein. „Weitergehende
Interpretationen“ so Günther „überlasse ich den
Historikern.“ Die lassen sich nicht zweimal bitten. Thomas
Hirthe vom Landesmuseum hält einen Meuchelmord jedenfalls für
denkbar. Oder Franz ist in einem Ritual den Moorgeistern
geopfert worden. Oder er war selbst ein Mörder und wurde
hingerichtet. Ein paar Erkenntnisse hat die Untersuchung
noch geliefert. Der Rote Franz wurde 20 bis 30 Jahre alt und
hatte O-Beine. Womöglich war er ein Reiter oder gar ein
berittener Krieger. Mittels einer Computertomografie wird
zur Ausstellungseröffnung im Mai sogar eine Gesichtsmaske
erstellt. Aber am Ende muss auch Hirthe einräumen „dass
Franz die meisten seiner Geheimnisse bewahren wird“. Zu
bewundern ist er schon jetzt wie immer in der
urgeschichtlichen Abteilung. „Er liegt da“ sagt Hirthe
„und verhält sich ruhig". (sw)
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