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Wer ermordete den Roten Franz?

Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
vom 28. September 2001

 
Rätsel gelöst: Der Rote Franz, der seinen Namen seiner gut erhaltenen Haarpracht verdankt, wurde höchstwahrscheinlich umgebracht. Vom Mai nächsten Jahres an bekommen seine Fans auch eine Vorstellung davon, wie der Mann aus dem Moor im Emsland im Gesicht ausgesehen hat.

Gerichtsmedizin bringt es an den Tag: Der Mann aus dem Moor starb keines natürlichen Todes

Ein berühmter Hannoveraner ist offenbar einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen – Unbekannte haben dem „Roten Franz“ allem Anschein nach die Kehle durchgeschnitten und ihn im Moor versenkt. Trotz dieser brandaktuellen rechtsmedizinischen Erkenntnisse gibt es kaum Aussichten den Mörder zu fassen. Denn Franzens Leiche fand der Torfstecher Bernhard Hebers schon vor 101 Jahren und die Bluttat geschah in der jüngeren römischen Kaiserzeit (200 bis 400 n.Chr.). Berühmt geworden ist Franz aber erst als Moorleiche – tausende Schulkinder haben sich im Landesmuseum schon mal die Nase an seinem Glaskasten platt gedrückt. Wegen einer bevorstehenden großen Ausstellung mit dem Titel „Der Tempel im Moor“ wollte das Landesmuseum das Rätselraten („Wie hat Franz gelebt und wie ist er gestorben“?) beenden und ließ die mumifizierte Leiche von Experten in der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchen. Und der Rechtsmediziner Detlef Günther wurde an der mit Abstand ältesten Leiche seiner Laufbahn tatsächlich fündig. Er entdeckte einen „schartenartigen Defekt“ in der vertrockneten Haut am linken Schlüsselbein und eine dazu passende Kerbe im darunter liegenden Knochen. Rechtsmediziner legen sich bekanntlich ungern fest. Günther sagt immerhin so viel: „Diese Verletzung könnte todesursächlich gewesen sein.“ Und die Wunde könnte durch einen Speer ein Messer oder eine Streitaxt verursacht worden sein. „Weitergehende Interpretationen“ so Günther „überlasse ich den Historikern.“ Die lassen sich nicht zweimal bitten. Thomas Hirthe vom Landesmuseum hält einen Meuchelmord jedenfalls für denkbar. Oder Franz ist in einem Ritual den Moorgeistern geopfert worden. Oder er war selbst ein Mörder und wurde hingerichtet. Ein paar Erkenntnisse hat die Untersuchung noch geliefert. Der Rote Franz wurde 20 bis 30 Jahre alt und hatte O-Beine. Womöglich war er ein Reiter oder gar ein berittener Krieger. Mittels einer Computertomografie wird zur Ausstellungseröffnung im Mai sogar eine Gesichtsmaske erstellt. Aber am Ende muss auch Hirthe einräumen „dass Franz die meisten seiner Geheimnisse bewahren wird“. Zu bewundern ist er schon jetzt wie immer in der urgeschichtlichen Abteilung. „Er liegt da“ sagt Hirthe „und verhält sich ruhig". (sw)

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