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Aus meiner Praxis als ehrenamtlich Beauftragter
gibt es negative und positive Beispiele für solche Vorklärungen. So
wurde im Jahre 1997 beim Bau eines großen Möbelmarktes in
Landesbergen, Landkreis Nienburg, eine archäologische Untersuchung
bewusst unterlaufen. Sehr früh hatte ich die Firma darauf
hingewiesen, dass auf der Ackeroberfläche vorgeschichtliche Keramik
liegt und bei den Erdarbeiten Funde auftreten könnten. Aber 60
Minuten nach Erteilung der Baugenehmigung durch den Landkreis wurde
die Fläche bereits abgeschoben. Reste eines eisenzeitlichen Brandgräberfriedhofes
traten später bei Fundamentarbeiten zutage (Abb. 1). Hier war
von Seiten des Bauherren kein guter Wille erkennbar, trotz eines persönlichen
Kontaktes im Vorfeld.

Abb. 1
Landesbergen, Gde. Landesbergen, Lkr. Nienburg
Fundamentgrube. Links: Frischer Beton. Bildmitte: Trichterförmiges
Brandschüttungsgrab
mit zahlreichen Keramik- und Leichenbrandfragmenten
Dagegen konnte ein neues Baugebiet in Leeseringen,
Landkreis Nienburg, rechtzeitig und mit geringem Aufwand auf archäologische
Befunde hin untersucht werden. Auf den Parzellen am Weserufer fand
sich ebenfalls vor- und frühgeschichtliche Keramik auf der
Ackeroberfläche. Deshalb stellte ich lange vor Baubeginn einen Antrag
auf Ausgrabungsgenehmigung und untersuchte mithilfe eines Löffelbaggers
die zukünftigen Baugrundstücke. (Abb. 2). Das Ergebnis: Trotz
der Keramikfunde zeigten sich nach Entfernung des Pflughorizontes
weder Verfärbungen noch andere Hinweise auf archäologisch wertvolle
Befunde. Dem Baubeginn stand nichts mehr im Wege. Und die Kosten von
300,– DM übernahm freundlicherweise die Samtgemeinde als Eigentümerin
der Bauplätze.

Abb. 2
Leeseringen, Gde. Landesbergen, Lkr. Nienburg
Suchschnitt durch mehrere Bauparzellen
So stelle ich mir im Idealfall die Rolle des
ehrenamtlich Beauftragten im Planungsprozess vor. Ich danke Ihnen für
Ihre Aufmerksamkeit.
Nachtrag
Über die folgende Diskussion war ich sehr verärgert.
Denn die Anfragen an mich bezogen sich nicht auf meine ehrenamtliche
Rolle im Prozess der Bauplanung, sondern wie immer ging es um die
Frage der Kompetenz. „Ausgraben? Dürfen Sie das denn?“ Nach 26
Jahren bin ich es leid, immer wieder „durch die Blume“ gesagt zu
bekommen, dass „Hobby-Archäologen“ sich doch besser darauf beschränken
sollten, Steinbeile und Münzen zu sammeln. So bleibt für mich am
Ende nicht die Frage, welche Rolle die ehrenamtlich Beauftragten im
Planungsprozess spielen, sondern die Frage, welche Rolle die Fachleute
den Ehrenamtlichen überhaupt zugestehen.
Anschrift des Verfassers:
Heinz-Dieter Freese
Am Bärenfallgraben 14
31582 Nienburg

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