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Eine Teilfläche des späteren Parkplatzes, die nicht von tiefgründiger Bebauung betroffen war, wurde nicht ausgegraben. Nach ihrer Abdeckung mit einem Geotextil sollen die Befunde unter der Erde erhalten bleiben. Eine angrenzende sogenannte Ausgleichsfläche, auf der keine Bodeneingriffe stattfanden, sondern auf die Erdaushub aufgebracht wurde, wurde nicht ausgegraben. Im Flächennutzungsplan wurde hier ein Bodendenkmal eingetragen. Die Fläche bietet somit eine Chance für Nachgrabungen späterer Archäologengenerationen.

Durch den Abschluss eines Vertrages werden Zeit- und Kostenrisiko für den Investor kalkulierbar und er gewinnt Planungssicherheit – bei Großbauvorhaben solchen Ausmaßes ein gewichtiges Argument. Das Zeitrisiko liegt dabei bei der ausgrabenden Denkmalpflege, da auch bei gründlichster Prospektion der genaue zeitliche Aufwand für die Freilegung und Dokumentation der Befunde nicht exakt planbar ist. Trotzdem muss natürlich das zugesagte Enddatum eingehalten werden.

Das Ergebnis der Ausgrabungen rechtfertigte den zeitlichen und finanziellen Aufwand: die – einschließlich der Voruntersuchungen – insgesamt fast 1 2 jährigen Ausgrabungen erbrachten die Grundrisse von über 30 bandkeramischen Langhäusern. Außer den Innen- und Mittelpfosten hatte sich manchmal sogar der umlaufende Wandgraben erhalten (Abb.6). Zwischen den Häusern wurden insgesamt 18 Gräber aufgedeckt, die meisten waren in eine größere Grube eingetieft worden. Das Besondere dieser Fundstelle liegt in der Tatsache, dass einzelne Bewohner nicht auf einem sicherlich vorhandenen, aber noch nicht entdeckten Friedhof, sondern innerhalb des Siedlungsgeländes bestattet wurden. Nach welchen Kriterien sie für diesen heute ungewöhnlich anmutenden Bestattungsort ausgewählt wurden, kann nicht beantwortet werden. Es sind dabei sowohl Männer und Frauen, wie auch alle Altersstufen vertreten. Die Bestimmung der Skelette ergab, dass das jüngste eine Säugling von rd. sechs Monaten, die Älteste eine Frau von – für diese Zeit erstaunlichen – 72 Jahren war.

Bei einigen der Hausgrundrisse ließ sich sogar der umlaufende
Abb. 6
Bei einigen der Hausgrundrisse ließ sich sogar der umlaufende
Wandgraben noch gut erkennen.

Den Gräbern kommt in der archäologischen Auswertung eine besondere Rolle zu, da sie – im Gegensatz zu den Siedlungsabfällen – als willentlich von den Zeitgenossen hergestellte Anlagen einen direkten Einblick in die Geisteswelt der Bandkeramiker erlauben, die sich z.B. in der unterschiedlichen Ausstattung und Bettung der Toten ausdrückt.

Eine ganz besondere Sensation stellt insofern auch die aufgefundene Doppelbestattung da, bei der zwei junge Erwachsene gleichzeitig in einem Grab bestattet wurden – ein sehr selten überlieferter Befund. Direkt neben den beiden war ein Toter in eine enge Grube gezwängt worden, dem beide Unterschenkel und der linke Arm fehlen (Abb.7). Auch wenn das Fehlen der Extremitäten wohl nicht mehr geklärt werden kann, konnte jetzt nachgewiesen werden, dass dieser Tote eine Gehirnhautentzündung überlebt hatte (Carli-Thiele/Schulz 1999).

Die Auswertung der umfangreichen Grabungsbefunde und Bestattungen – die noch andauern und im Übrigen nicht vom Investor getragen werden – werden helfen, ein besseres Verständnis vom Leben in den Siedlungen und vom Totenkult dieser frühen Zeit zu erlangen.

Überblick über die Doppelbestattung zweier junger Erwachsener
Abb. 7
Überblick über die Doppelbestattung zweier junger Erwachsener und nahe daneben ein in eine enge Grube gezwängtes Skelett, dem beide Unterschenkel fehlen.

 

L i t e r a t u r :

Arndt, Betty 1997: Leben und Sterben. Bandkeramische Siedlung und Bestattungen in Göttingen-Grone. In: S. Flindt, M. Geschwinde, Ein Haus aus der Steinzeit. Archäologische Entdeckungen auf den Spuren früher Ackerbauern in Südniedersachsen. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 19, 1997, 59–63.

Arndt, Betty 1998: Die Toten und die Lebenden. Ein Siedlungs- und Bestattungsplatz der linienbandkeramischen Kultur in Göttingen-Grone. Archäologie in Niedersachsen Bd. 1, 1998, 16–20.

Carli-Thiele, Petra; Schulz, Michael 1999: Krankheit und Tod in der Jungsteinzeit. Archäologie in Niedersachsen 2, 1999, 12–15.

Flindt, Stefan, Geschwinde, Michael 1997: Ein Haus aus der Steinzeit. Archäologische Entdeckungen auf den Spuren früher Ackerbauern in Südniedersachsen. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 19, 1997.

Geschwinde, Michael 1998: Thema: Neolithikum. Archäologie in Niedersachsen 1, 1998, 9–16.

 

Anschrift der Verfasserin:

Betty Arndt M.A.
Stadtarchäologie Göttingen
Rote Straße 34

37073 Göttingen