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Die Kunde N. F. 51, 2000, S. 203-242.

Archäologie und Baumaßnahmen

Eine Fachtagung des Niedersächsischen Heimatbundes e.V. und des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover am 12. November 1999 in Hannover.
 

Pipeline-Archäologie in Ostfriesland
Von Rolf Bärenfänger


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Ostfriesland, die Küstenregion im südlichen Nordseegebiet, ist in drei Landschaftstypen zu unterteilen: Im Zentrum liegt die überwiegend sandige Geest. Sie wird randlich von ehemals ausgedehnteren Moorgebieten umgeben. Daran schließt sich das Marschengebiet mit See- und Flussmarsch an. Diese auf engem Raum abwechslungsreichen natürlichen Gegebenheiten haben den Menschen seit der Steinzeit Lebensgrundlage und Heimat geboten.

Vom Süden aus betrachtet mag sich Ostfriesland in eher peripherer Lage befinden, bezogen auf den Verkehrsraum der Nordsee kommt ihm aber doch eine zentrale Position zu. Dieser Vorzug wird von den Energieversorgungsunternehmen sattsam genutzt, denn sie haben die Region zum Dreh- und Angelpunkt gemacht, als es darum ging, den mitten in der Nordsee auf den norwegischen Erdgasfeldern gewonnenen Brennstoff nach Mitteleuropa zu transportieren. Zur Zeit führen zwei Hauptstränge von Norwegen durch die See und landen in Ostfriesland an. Unvorstellbar große Mengen von Erdgas werden durch die Pipelines geleitet, z.B. erwartet der norwegische Staatskonzern Statoil allein aus dem neuen Gasfeld “Troll” 1300 Milliarden Kubikmeter Gas. Das sind etwa 60 Prozent der norwegischen Reserven. Derzeit kommen vom Troll-Feld rund 24 Milliarden Kubikmetern jährlich, ab 2005 sollen es 45 Milliarden sein. Abnehmer sind die einheimischen Energieversorger, die das Gas in ihre Leitungsnetze einspeisen und in verschiedene Teile Deutschlands verbringen. Um die Dimensionen dieser großen Zahlen zu verdeutlichen, sei erwähnt, dass mit rund 1,5 Milliarden Kubikmeter der Jahresverbrauch von mehr als 600 000 Haushalten sichergestellt werden kann![1]

Für die archäologische Denkmalpflege stellt der Pipelinebau ein besonderes Problem dar: Am Land müssen die Leitungen über viele Kilometer, manchmal über ganze Bundesländer hinweg, in die Erde gebracht werden. Dies geschieht nach einem festgelegten Schema, das von der Planung bis zur Wiedereinebnung reicht. Entscheidend ist dabei, dass auf den Trassen tiefgründige Erdarbeiten durchgeführt werden, die eine archäologische Wüste hinterlassen, übrig bleibt eine absolut denkmalfreie Zone (Abb. 1). Gerade im Sandboden der Geest, der seit der Steinzeit trockenes und deshalb günstiges Siedlungsgebiet gewesen ist, sind die meisten Verluste an untertägig erhaltener Denkmalsubstanz zu erwarten.

Der Aushub des Rohrgrabens verursacht eine tiefreichende Zerstörung des Untergrundes.


Abb.1
Der Aushub des Rohrgrabens verursacht eine tiefreichende Zerstörung des Untergrundes.