Keulenfragmente ...
In der Siedlung von Rössing (FStNr. 2)
wurde in den Jahren 1981, 1984 und 1985 eine Fläche von 25.000 qm
untersucht, auf der sich 40 Hausgrundrisse und mehrere hundert
Gruben und Grubenkomplexe fanden (Fansa
1988, Abb. 22). Aus dem südöstlichen Grabungsareal stammt das aus
vier einzelnen Stücken zusammensetzbare Fragment der Geröllkeule.
Als Grundform diente ein Geröll aus gelblich-braunem,
einheimischen, quarzitischem Sandstein mit Eisenmineralien. Dieses
Material konnte aus den Schottern der Leine, die in unmittelbarer
Nähe der Siedlung vorbeifloß, relativ leicht besorgt werden. Das
Fragment wiegt 478 g. Die noch vorhandene Länge der Keule beträgt
119 mm, die Breite 100 mm und die Höhe 54 mm. Da das Artefakt zu
mehr als der Hälfte erhalten ist, konnte seine Form rekonstruiert
werden. Längs- und Querschnitt der Keule sind oval. Auf der Ober-
und Unterseite sind um das Bohrloch herum Pickspuren erkennbar. Das
Bohrloch verläuft konisch und hat zunächst einen Durchmesser von
33 mm. Im mittleren Bereich mißt es noch 25 mm und verjüngt sich
schließlich auf 11 mm Durchmesser. Die Bohrrillen sind sehr
deutlich ausgeprägt.
Die Geröllkeule ist bis auf ein 6 mm
dickes Stück durchbohrt, wobei nicht zu klären ist, ob das
Artefakt beim Bohrvorgang zerbrach oder gar nicht vollständig
durchbohrt werden sollte. Im letzterem Fall müßte ein Zusammenhang
mit der Schäftung bestehen. Der Keulenkopf könnte auf einen Stab
aufgesteckt und mittels Klebung und/oder Bindung befestigt worden
sein. Jedoch erkennt man auf der undurchbohrten Außenseite der
Rössinger Geröllkeule genau gegenüber der Durchbohrung deutlich
ein Feld mit Pickspuren, dessen Durchmesser 35 mm beträgt und somit
dem des oberen Bohrloches mit 33 mm stark angenähert ist.
Möglicherweise sollte hier der Rest des Materials weggepickt
werden, wobei das Gerät zerbrach. Die Keule weist vom Bohrloch
ausgehend zwei Brüche auf, ein dritter hat einen Teil der
Oberfläche abgehoben. Letzteres Fragment hat sich unter
Hitzeeinwirkung rot-schwarz verfärbt. Das Zerbrechen der Keule ist
aber keineswegs auf Feuereinwirkung zurückzuführen, da an den
anderen Fragmente keine Hinweise dafür vorliegen. Von dem Gerät
fehlt ungefähr ein Viertel sowie von der Oberseite der Anschluß an
das verbrannte Stück. Gebrauchsspuren konnten nicht festgestellt
werden.
Die Siedlung von Hohnstedt, Gde.
Stadt Northeim, Ldkr. Northeim (FStNr. 5) wurde wegen des geplanten
Neubaues der Bahnstrasse Hannover-Würzburg in den Jahren 1985 und
1986 notgegraben. Es wurden insgesamt 620 Befunde aufgedeckt,
darunter 12 Hausgrundrisse (Fansa
1992). Unter den Steinartefakten dieser Siedlung befand sich auch
eine Scheibenkeule. Als Rohmaterial für dieses Stück wurde ein
fremdländischer grün-grauer Metamorphit gewählt, die genaue
Gesteinsbestimmung steht noch aus. Dem Augenschein nach handelt es
sich wohl um das gleiche Material, das auch für die Dechseln
verwendet wurden. Von dieser Scheibenkeule sind mehr als 50 %
erhalten, so daß eine Rekonstruktion der Form auch hier möglich
ist. Längs- und Querschnitt des Artefaktes sind jeweils oval. Das
Fragment wiegt 96 g, seine Länge beträgt noch 82 mm. Die Breite
erreicht 37 mm und die Höhe 20 mm. Die Keule wurde überschliffen,
wobei die Schleifspuren zum Teil sehr grob sind. Lediglich auf der
Rundung, an der Ober- und Unterseite zusammenstoßend, sind bei der
Hohnstedter Keule noch Reste der natürlichen Gesteinsoberfläche zu
erkennen, da dort nur sehr oberflächlich überschliffen wurde. Für
dieses Schleifen wurden quarzitische Sandsteine oder Buntsandsteine
benutzt, die in den linearbandkeramischen Siedlungen regelhaft
auftreten. Unter Zugabe von Sand und Wasser konnten auf ihnen Beile
und Keulen geschliffen werden. Ebenso wie bei den Dechseln ist auch
bei den Keulen nicht sicher, ob sie als Halbfabrikate oder als
Fertigprodukte in die Siedlungen gelangten. Eine Verarbeitung von
Rohmaterial vor Ort scheidet aufgrund der in allen bandkeramischen
Siedlungen fehlenden Herstellungsabfälle aus. Das leicht konische
Bohrloch der Hohnstedter Keule verjüngt sich von 23 auf 21 mm. In
ihm sind keine Bohrrillen zu erkennen, die Innenseiten sind völlig
glatt. Die Wahl eines Metamorphites als Rohmaterial für
Scheibenkeulen zeigt sich auch auf anderen linearbandkeramischen
Fundplätzen, z. B. in Grab 66 vom Gräberfeld Aiterhofen-Ödmühle
in Bayern (Nieszery
1995, 159) oder in der Siedlung von Langweiler 9 in
Nordrhein-Westfalen (Farruggia
1977, 277). Die Geröllkeule dagegen besteht aus quarzitischem
Sandstein, was für diese Artefaktgruppe charakteristisch zu sein
scheint (Krull 1983/84,
201 ff.; Kneipp 1988,
10; Zedelius 1996,69).

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