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Publikationen
zur Ur- und Frühgeschichte Die Kunde N. F. 50, 1999, S. 223-230 URL:
http://www.urgeschichte.de/artikel/keulen/keule1.htm In linearbandkeramischen Siedlungen und Gräbern treten immer wieder Steinartefakte auf, die als Keulen bezeichnet werden. Hierbei wird unterschieden zwischen Geröll- und Scheibenkeulen. Die Geröllkeulen wurden aus einem Geröll hergestellt, das nur durchbohrt, ansonsten aber nicht weiter überarbeitet wurde. Die Scheibenkeulen sind dagegen mehr oder weniger sorgfältig überschliffen. Sie sind im Gegensatz zu den annähernd kugeligen Geröllkeulen wesentlich flacher. Beide Keulenformen treten nur selten, meist in fragmentierten Einzelstücken auf. Aus diesem Grund entfällt oft eine ausführliche Beschreibung der Stücke. Hier sollen zwei Keulen exemplarisch vorgestellt werden, die im Rahmen einer Dissertation über die Steinartefakte der Linearbandkeramik im Gebiet zwischen Hannover und Northeim gemeinsam mit mehreren anderen Keulen aufgenommen wurden. Es handelt sich zum einen um eine Geröllkeule (Abb. 1) aus der Siedlung von Rössing, Gde. Nordstemmen, Ldkr. Hildesheim, zum anderen um eine Scheibenkeule (Abb. 2) aus der Siedlung von Hohnstedt, Gde. Stadt Northeim, Ldkr. Northein.
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In der Siedlung von Rössing (FStNr. 2) wurde in den Jahren 1981, 1984 und 1985 eine Fläche von 25.000 qm untersucht, auf der sich 40 Hausgrundrisse und mehrere hundert Gruben und Grubenkomplexe fanden (Fansa 1988, Abb. 22). Aus dem südöstlichen Grabungsareal stammt das aus vier einzelnen Stücken zusammensetzbare Fragment der Geröllkeule. Als Grundform diente ein Geröll aus gelblich-braunem, einheimischen, quarzitischem Sandstein mit Eisenmineralien. Dieses Material konnte aus den Schottern der Leine, die in unmittelbarer Nähe der Siedlung vorbeifloß, relativ leicht besorgt werden. Das Fragment wiegt 478 g. Die noch vorhandene Länge der Keule beträgt 119 mm, die Breite 100 mm und die Höhe 54 mm. Da das Artefakt zu mehr als der Hälfte erhalten ist, konnte seine Form rekonstruiert werden. Längs- und Querschnitt der Keule sind oval. Auf der Ober- und Unterseite sind um das Bohrloch herum Pickspuren erkennbar. Das Bohrloch verläuft konisch und hat zunächst einen Durchmesser von 33 mm. Im mittleren Bereich mißt es noch 25 mm und verjüngt sich schließlich auf 11 mm Durchmesser. Die Bohrrillen sind sehr deutlich ausgeprägt. Die Geröllkeule ist bis auf ein 6 mm dickes Stück durchbohrt, wobei nicht zu klären ist, ob das Artefakt beim Bohrvorgang zerbrach oder gar nicht vollständig durchbohrt werden sollte. Im letzterem Fall müßte ein Zusammenhang mit der Schäftung bestehen. Der Keulenkopf könnte auf einen Stab aufgesteckt und mittels Klebung und/oder Bindung befestigt worden sein. Jedoch erkennt man auf der undurchbohrten Außenseite der Rössinger Geröllkeule genau gegenüber der Durchbohrung deutlich ein Feld mit Pickspuren, dessen Durchmesser 35 mm beträgt und somit dem des oberen Bohrloches mit 33 mm stark angenähert ist. Möglicherweise sollte hier der Rest des Materials weggepickt werden, wobei das Gerät zerbrach. Die Keule weist vom Bohrloch ausgehend zwei Brüche auf, ein dritter hat einen Teil der Oberfläche abgehoben. Letzteres Fragment hat sich unter Hitzeeinwirkung rot-schwarz verfärbt. Das Zerbrechen der Keule ist aber keineswegs auf Feuereinwirkung zurückzuführen, da an den anderen Fragmente keine Hinweise dafür vorliegen. Von dem Gerät fehlt ungefähr ein Viertel sowie von der Oberseite der Anschluß an das verbrannte Stück. Gebrauchsspuren konnten nicht festgestellt werden. Die Siedlung von Hohnstedt, Gde. Stadt Northeim, Ldkr. Northeim (FStNr. 5) wurde wegen des geplanten Neubaues der Bahnstrasse Hannover-Würzburg in den Jahren 1985 und 1986 notgegraben. Es wurden insgesamt 620 Befunde aufgedeckt, darunter 12 Hausgrundrisse (Fansa 1992). Unter den Steinartefakten dieser Siedlung befand sich auch eine Scheibenkeule. Als Rohmaterial für dieses Stück wurde ein fremdländischer grün-grauer Metamorphit gewählt, die genaue Gesteinsbestimmung steht noch aus. Dem Augenschein nach handelt es sich wohl um das gleiche Material, das auch für die Dechseln verwendet wurden. Von dieser Scheibenkeule sind mehr als 50 % erhalten, so daß eine Rekonstruktion der Form auch hier möglich ist. Längs- und Querschnitt des Artefaktes sind jeweils oval. Das Fragment wiegt 96 g, seine Länge beträgt noch 82 mm. Die Breite erreicht 37 mm und die Höhe 20 mm. Die Keule wurde überschliffen, wobei die Schleifspuren zum Teil sehr grob sind. Lediglich auf der Rundung, an der Ober- und Unterseite zusammenstoßend, sind bei der Hohnstedter Keule noch Reste der natürlichen Gesteinsoberfläche zu erkennen, da dort nur sehr oberflächlich überschliffen wurde. Für dieses Schleifen wurden quarzitische Sandsteine oder Buntsandsteine benutzt, die in den linearbandkeramischen Siedlungen regelhaft auftreten. Unter Zugabe von Sand und Wasser konnten auf ihnen Beile und Keulen geschliffen werden. Ebenso wie bei den Dechseln ist auch bei den Keulen nicht sicher, ob sie als Halbfabrikate oder als Fertigprodukte in die Siedlungen gelangten. Eine Verarbeitung von Rohmaterial vor Ort scheidet aufgrund der in allen bandkeramischen Siedlungen fehlenden Herstellungsabfälle aus. Das leicht konische Bohrloch der Hohnstedter Keule verjüngt sich von 23 auf 21 mm. In ihm sind keine Bohrrillen zu erkennen, die Innenseiten sind völlig glatt. Die Wahl eines Metamorphites als Rohmaterial für Scheibenkeulen zeigt sich auch auf anderen linearbandkeramischen Fundplätzen, z. B. in Grab 66 vom Gräberfeld Aiterhofen-Ödmühle in Bayern (Nieszery 1995, 159) oder in der Siedlung von Langweiler 9 in Nordrhein-Westfalen (Farruggia 1977, 277). Die Geröllkeule dagegen besteht aus quarzitischem Sandstein, was für diese Artefaktgruppe charakteristisch zu sein scheint (Krull 1983/84, 201 ff.; Kneipp 1988, 10; Zedelius 1996,69). Eine Datierung einzeln gefundener Keulen ist schwierig, da es sich bei den Geröllkeulen um eine Form handelt, die seit dem Mesolithikum bekannt ist (Gramsch 1973, 29). Hier ist besonders die Keule aus der altatlantikumzeitlichen Schicht von Friesack in Brandenburg (Gramsch 1987, 85; Taf. 24,2) zu nennen, in deren gebohrtem Schaftloch noch der Holzstiel steckte. Ebenso stammen vom mesolithischen Fundplatz Barwedel, Ldkr. Gifhorn drei Geröllkeulen (Schwarz-Mackensen 1978, 103 Nr. 26-28). Die Scheibenkeulen scheinen dagegen erst in der Linearbandkeramik aufzutreten und auch während der Stichbandkeramik und der Rössener Kultur noch gelegentlich vorzukommen (Nieszery 1995, 159f.).Möglicherweise kam die Geröllkeule als "Handelsware" oder Beutegut in die Siedlung von Rössing. Da diese relativ nahe an der Lößgrenze liegt, sind Kontakte zu den dortigen mesolithischen Gruppen nicht auszuschließen. Es wäre aber auch zu überlegen, ob nicht die Form der Geröllkeule von den Menschen der Bandkeramik aus dem Bereich der mesolithischen Gruppen übernommen wurde, wobei das einheimische Rohmaterial genutzt wurde. Die Scheibenkeule hingegen wäre dann eine "Erfindung" der Linearbandkeramik, wobei dafür, ebenso wie für die Dechseln, ein "besonderes" Material gewählt wurde. Nach Schietzel (1965, 44) treten Scheibenkeulen nur gelegentlich in der westlichen Linearbandkeramik auf, während sie im Osten häufiger vorkommen. Wäre das Verhältnis zwischen Ost und West bei den Geröllkeulen umgekehrt proportional, könnte dies ein Indiz dafür sein, daß man mit zunehmender Entfernung zum Ursprungsgebiet eher geneigt war, fremde Formen aufzunehmen. Jedoch fehlen in weiten Bereichen sicher kulturell zuweisbare Funde, so daß man zukünftige Grabungen abwarten muß. Bei deren Auswertung wäre es wichtig, auch eine so seltene Artefaktgruppe wie die Keulen eingehend zu behandeln, da vielleicht gerade die Geröllkeulen einen weiteren Nachweis für die Kontakte zwischen Mesolithikern und Linearbandkeramikern bieten. Die Geröllkeule von Rössing ist noch so weit erhalten, daß sich mit Sicherheit sagen läßt, daß ihr Gewicht mehr als 500 g betragen hat. Die Scheibenkeule aus Hohnstedt dürfte dagegen ungefähr 200 g gewogen haben. Daß gerade Geröllkeulen auch erheblich schwerer gewesen sein können, zeigt ein undatiertes Stück aus Barum, Ldkr. Uelzen (Zedelius 1996, 69), also aus einem Bereich, der nicht mehr zum linearbandkeramischen Siedlungsgebiet gehört. Die Keule ist vollständig erhalten und wiegt 1116 g, also mehr als das Doppelte von dem, was für die Rössinger Keule geschätzt wurde. Es läßt sich allgemein feststellen, daß die Geröllkeulen wohl in der Regel größer und schwerer waren als die Scheibenkeulen. Bei der Scheibenkeule aus Hohnstedt laufen Ober- und Unterseite nicht in einem Grat zusammen, vielmehr ist die Kante verrundet. Ein Stück aus Dassensen 1, Gde. Stadt Einbeck, Ldkr. Northeim weist dagegen einen ausgeprägten Grat auf. Es ähnelt damit einer Keule aus Müddersheim in Nordrhein-Westfalen (Schietzel 1965, 44), während die aus Hohnstedt eher mit dem Stück aus der Siedlung von Langweiler 9 (Farruggia 1977, 278) zu vergleichen ist. Diese Randausprägungen stellen jedoch weder chronologische, noch kulturelle Unterschiede dar, da aus der Linearbandkeramik auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei beide Randformen bekannt sind (Farruggia 1977, 278). Die Scheibenkeule aus Hohnstedt ist nicht vollständig erhalten, jedoch können Näherungswerte für ihre Maße angegeben werden. Der rekonstruierte Durchmesser der Keule beläuft sich auf 85 mm, der des konischen Bohrloches liegt bei 21 mm bzw. 23 mm. Schwarz-Mackensen (1978, 102 Nr. 8) nennt aus Klein Rhüden, Ldkr. Gandersheim eine Scheibenkeule, die in den Maßen dem Hohnstedter Stück entspricht. Die von Schietzel (1965,44) für Müddersheim beschriebene Scheibenkeule liegt mit einem geschätzten Durchmesser von 110 mm etwas darüber, die Durchmesser für das Bohrloch sind mit 21 bzw. 23 mm jedoch identisch mit denen des Hohnstedter Stückes. Auch die Scheibenkeule aus Aiterhofen-Ödmühle (Nieszery 1995, 195), Grab 66 weist mit einer Länge von ungefähr 93 mm und einer Breite von 81 mm nahezu gleiche Werte auf. Lediglich die Höhe ist mit 10 mm erheblich geringer. Auch die Durchbohrung ist mit ungefähr 11 mm nur halb so groß wie die der Keule aus Hohnstedt und des Stückes aus Müddersheim. Eine Scheibenkeule aus Gamsen, Ldkr. Gifhorn weist jedoch den gleichen geringen Bohrloch-Durchmesser auf wie das Aiterhofener Artefakt (Schwarz-Mackensen 1978, 103 Nr. 23.).Größer als die bisher aufgeführten Scheibenkeulen ist das Artefakt aus der Siedlung von Langweiler 9 in Nordrhein-Westfalen (Farruggia 1977, 277f.; Taf. 72). Das im Gegensatz zum Hohnstedter Gerät nur wenig sorgfältig geschliffene Stück ist ebenfalls nur als Bruchstück erhalten, der Durchmesser beläuft sich auf fast 130 mm. Das konische Bohrloch, in dem die Keule gebrochen ist, mißt 19 mm, tendiert in der Größe also eher zu den Artefakten aus Hohnstedt oder auch Müddersheim, während die Keulen aus Aiterhofen und Gamsen mit ihren geringen Bohrloch-Durchmessern etwas aus dem Rahmen fallen. Auch über weite Entfernungen hinweg sind die Scheibenkeulen in ihren Maßen sehr einheitlich. So beschreibt Rulf (1991, 324 Fig. 19) für die bandkeramische Siedlung von Bylany (Tschechische Republik) Fragmente von Scheibenkeulen, deren konische Bohrlöcher zwischen 21 und 24 mm Durchmesser aufweisen. Leider ist auch auf diesem Fundplatz keines der Stücke vollständig erhalten, so daß weitere Vergleiche nicht möglich sind. Neben dem Material scheinen aber auch die Maße in einem gewissen Rahmen festgelegt gewesen zu sein, ohne daß es sich um eine strenge Normierung handelte. Die Bohrlöcher der Scheibenkeulen sind in der Regel konisch (Farruggia 1977, 277; Schietzel 1965, 44; Taf. 6,37; Nieszery 1995, 159 Abb. 84), bei den Geröllkeulen treten konische und sanduhrförmige (Buttler 1931, 25; Feustel 1973, 88; Flindt, Geschwinde 1997, 49 Abb. 31) auf. Auch Schwarz-Mackensen (1978, 42f.) beschreibt für den Braunschweiger Raum Geröllkeulen mit sanduhrförmigen und zylindrischen Bohrlöchern. Danach sollen sich nördlich der Lößgrenze fast ausschließlich Keulen mit sanduhrförmigen Bohrlöchern gefunden haben, während diese südlich von Braunschweig seltener vorkommen, dafür aber dann Keulen mit zylindrischen Bohrlöchern vermehrt auftreten. Sind Maßangaben vorhanden, zeigt sich allerdings, daß die Bohrlöcher hier selten zylindrisch, sondern in der Regel leicht konisch sind. Möglicherweise ist das sanduhrförmige Bohrloch eher ein mesolithisches, das konische ein linearbandkeramisches Element. Auch hier müssen weitere kulturell eindeutig zuweisbare Funde abgewartet werden, um diese Theorie zu überprüfen. Bei einigen Geröll- und Scheibenkeulen ist die Fläche innerhalb des Bohrloches extrem glatt, bei den meisten Keulen zeigen sich jedoch deutliche Bohrrillen. Diese entstehen durch die Zugabe von grobem Sand beim Bohrvorgang. Hinweise auf eine Durchlochung mittels Pickung gibt es bei den Artefakten aus bandkeramischen Siedlungen nicht. Teilweise sind an den Geröllkeulen aber Pickspuren am Rand des Bohrloches zu erkennen, welche vermutlich angebracht wurden, um das Ansetzen des Bohrstabes zu erleichtern (Schietzel 1965,44 Anm. 1). Bei den Scheibenkeulen treten sie nicht auf, jedoch ist hier die Oberfläche stets sorgfältig überschliffen. Dieses Vorpicken der Durchlochung von Keulen ist immer wieder belegt (Farruggia 1977, 277f.; Kneipp 1988, 10) und kommt auch außerhalb des Siedlungsgebietes der Linearbandkeramik vor (Zedelius 1996, 69), so daß es sich dabei sicher um eine seit dem Mesolithikum angewandte Technik handelt, die während des Neolithikums weiter praktiziert wurde. Die Durchmesser auf Ober- und Unterseite weichen bei den konischen Bohrlöchern meist nur 2 bis 4 mm voneinander ab. Nur bei der Geröllkeule aus Rössing zeigt sich mit einer Differenz von 22 mm ein stärkerer Unterschied. Diese starke Abnutzung des Bohrstabes spricht eher für eine Vollbohrung als für eine Hohlbohrung. Allerdings ist das konische Bohrloch für eine Vollbohrung ungewöhnlich, da bei dieser Technik zunächst von einer Seite aus gebohrt wird, dann von der dem Bohrloch gegenüberliegenden Seite erneut eine Bohrung angesetzt wird. Durch das Zusammentreffen der beiden Bohrkanäle ungefähr in der Mitte des Artefaktes entsteht dann ein sanduhrförmiges Bohrloch, was aber bei dem Rössinger Stück nicht der Fall ist. Da die Keule nicht vollständig durchbohrt ist, erkennt man, daß kein Bohrzapfen, wie er bei einer Hohlbohrung hätte entstehen müssen, vorhanden war. Geht man davon aus, daß das konische Bohrloch und somit die Hohlbohrung eher ein bandkeramisches Element ist, während Vollbohrung wahrscheinlich als mesolithisch anzusprechen ist, zeigt sich hier ein interessantes Phänomen. Mit mesolithischer Technik versuchte man, ein Bohrloch zu erzeugen, das denen der bandkeramischen Keulen ähnlich sah. Möglicherweise wurde von den Menschen der Bankkeramik die mesolithische Technik ausprobiert. Vielleicht versuchten die Mesolithiker aber auch, den bandkeramischen Keulen ähnliche Stücke herzustellen. Einmal mehr stellt sich hier die Frage, wie stark die gegenseitige Beeinflussung war. Bei den Scheibenkeulen kann man aufgrund der Form der Bohrlöcher davon ausgehen, daß diese in Hohlbohrung entstanden sind. Aus linearbandkeramischem Zusammenhang sind bisher allerdings weder Bohrzapfen noch Bohrer bekannt. Da jedoch in den Siedlungen allgemein selten Keulen auftreten, ist auch die Wahrscheinlichkeit Bohrzapfen zu finden relativ gering. Bohrstäbe, die wegen des großen Markkanales vermutlich aus Holunder waren, sind wegen der schlechten Erhaltungsbedingungen ebenfalls nicht vorhanden. Aus jüngerem Zusammenhang ist dagegen ein Artefakt bekannt, das man als Bohrer ansprechen könnte. Es handelt sich dabei um ein bisher unpubliziertes Holunderstück aus der Altheimer Siedlung vom Pestenacker in Bayern, auf das mich freundlicherweise Thomas Lessing, M.A. aufmerksam machte. Dieses Artefakt weist Abnutzungsspuren auf, die auf einen Gebrauch als Steinbohrer hindeuten. Mit einem Außendurchmesser von 21,6 bis 22,9 mm paßt es sehr gut zu den für die konischen Bohrlöcher ermittelten Werten. Die Funktion der Keulen ist bisher nicht zu klären. Besonders bei den Scheibenkeulen, die in der Regel keine Gebrauchsspuren aufweisen (Nieszery 1995, 159), könnte man an ein Rangabzeichen (Fock 1937, 28) denken. Fast alle Scheibenkeulen sind im Bohrloch gebrochen. Bei einer Nutzung als Waffe oder Gerät könnten sie zerstört worden sein. Werden sie jedoch als Würdezeichen angesehen, wäre ein Zerbrechen während des Gebrauches eher unwahrscheinlich. Vielleicht wurden die Stücke nicht weitergegeben, sondern absichtlich zerstört, möglicherweise wenn die Würde auf eine andere Person oder gar eine andere Familie überging. Darüber kann jedoch nur spekuliert werden, da sich Anhaltspunkte für diese Theorie nicht finden lassen. Schietzel (1965, 44) vermutet, daß es sich wegen des scharfen Grates um Schlaggeräte handelte. Dies ist wegen der fehlenden Gebrauchsspuren nicht stichhaltig. Die Geröllkeulen weisen teilweise umlaufende Klopfspuren oder einzelne Klopfspurenfelder auf (Gramsch 1973, 29). Auch hier ist die genaue Funktion der Stücke nicht zu klären. Allgemein werden Keulen als Waffen, Schlaggeräte, Würdezeichen, Grabstockbeschwerer, Ritualkeulen oder Rotiermasse bei Bohrgeräten angesprochen (Gramsch 1973, 29; Schietzel 1965, 44). Sowohl für die Scheiben-, wie auch für die Geröllkeulen gilt, daß sie in der Linearbandkeramik zu den seltenen Artefakten zählen, was ihre Sonderstellung hervorhebt. L i t e r a t u r Buttler, Werner 1931: Die Bandkeramik in ihrem nordwestlichsten Verbreitungsgebiet. Marburg 1931. Fansa, Mamoun 1988: Vor 7000 Jahren. Die ersten Ackerbauern im Leinetal. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 15. Hildesheim 1988. Fansa, Mamoun 1992: Bandkeramische Siedlung in Hohnstedt bei Northeim. Rettungsgrabung an der Bundesbahntrasse Hannover-Würzburg. Vorbericht. Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen 20, 1992, 81-89. Farruggia, Jean-Paul 1977: Die Dechsel. In: R. Kuper u. a., Der bandkeramische Siedlungsplatz Langweiler 9, Gemeinde Aldenhoven, Kreis Düren. Rheinische Ausgrabungen 18. Bonn 1977, 266-278. Feustel, Rudolf 1973: Technik der Steinzeit. Weimar 1973. Flindt, Stefan, Geschwinde, Michael 1997: Ein Haus aus der Steinzeit. Archäologische Entdeckungen auf den Spuren früher Ackerbauern in Südniedersachsen. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 19. Archäologische Schriften des Landreises Osterode am Harz 1. Oldenburg 1997. Fock, Gerhard 1937: Die steinzeitlichen Keulen Mitteleuropas. Düsseldorf 1937. Gramsch, Bernhard 1973: Das Mesolithikum im Flachland zwischen Elbe und Oder. Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 7. Berlin 1973. Kneipp, Jürgen 1988: Älteste Bandkeramik in Hessen? Archäologisches Korrespondenzblatt 18, 1988, 7-13. Krull, Reinhold 1983/84: Eine Geröllkeule, ein Geröllkeulen- und ein Spitzhauenfragment aus dem südlichen Hannover. Die Kunde N. F. 34/35, 1983/84, 201-206. Nieszery, Norbert 1995: Linearbandkeramische Gräberfelder in Bayern. Internationale Archäologie 16, Espelkamp 1995. Rulf, Jan 1991: Polished Stone Industry. In: Pavlu, J. Ruf, Stone Industry from the Neolithic Site of Bylany. Pamatky Archeologicke LXXXII, 1991, 304-330. Schietzel, Kurt 1965: Müddersheim. Eine Ansiedlung der jüngeren Bandkeramik im Rheinland. Fundamenta Reihe A1. Köln 1965. Schwarz-Mackensen, Gesine 1978: Jägerkulturen zwischen Harz und Aller. Oberflächenfundplätze der älteren und mittleren Steinzeit im Braunschweigischen. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens 12. Hildesheim 1978. Zedelius, Volker 1996: Eine neue Geröllkeule aus Barum, Ldkr. Uelzen. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 65, 1996, 69-71. Verbleib der Funde: Zeichnungen: Anschrift der Verfasserin |