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Schlüsselwörter: Karolingerzeit; Frühgeschichte; Kleidung; Rekonstruktion; Nds.
Landesmuseum Hannover
Zusammenfassung:
Lässt sich Kleidung nur nach alten Texten und Bildern
herstellen? Eine Gruppe von Fachleuten (Abb. 7 und 8) hat sich
lange mit dieser Frage beschäftigt, denn für die Zeit Karls des
Großen vor rund 1 200 Jahren gibt es nur wenige Textquellen und
einige Darstellungen. Von den Kleidungsstücken ist fast nichts
erhalten. Erstmalig in Deutschland wurde für das
Niedersächsische Landesmuseum Hannover Kleidung aus
karolingischer Zeit nach wissenschaftlichen Erkenntnissen
rekonstruiert. Zu diesem Zweck wurden die lateinischen Texte und
die Malereien studiert und ausgewertet. Garn wurde gesponnen und
mit Pflanzenfarben Wolle gefärbt. Dozentinnen und Studenten der
Fachhochschule Hannover, Fachbereich Design und Medien, haben
nach vielen Webproben Stoffe gewebt und fantasiereiche Muster
darauf gefilzt. Kriminalistischer Spürsinn war nötig, um aus den
Stoffen Kleidung zu machen, die auch getragen werden kann – ohne
Gummiband und Elasthan ein schwieriges Problem. Mit einfachen
Schnitten ist das nicht möglich! Die Fachstelle für Schuhkunde
und historische Lederarbeiten in Lausanne fertigte die Schuhe.
Dozenten und Studenten der Fachhochschule Hannover, Fachbereiche
Bildende Kunst sowie Design und Medien, benötigten mehr als 9
Monate (!), um aus Gips und Epoxiharz die Figuren herzustellen.
Von „passenden“ Studenten wurden unter hohem körperlichen
Einsatz Gipsabformungen angefertigt. Aus diesen Gipsen
entstanden durch aufwändige Verfahren als Unikate die beiden
Puppen.
Keywords:
Summary:
Model of Carolingian clothing based on documents, drawings and
finds. Co-operation between university for applied science,
dressmaker, scientist, specialist for historic footware and
museum.
Textilien
umgeben uns fast unser Leben lang: Nach der Geburt wird man in
Kleidung gehüllt und bleibt mit wenigen Ausnahmen sein ganzes
Leben und auch im Tod bekleidet. Hinzu treten Kuscheldecken und
Stofftiere. Es gibt Markenzeichen, die getragen werden müssen,
aber auch sinnlich spürbare Unterschiede zwischen den Geweben
(vgl. Kaiser 2000, 181).
Welches Kind fühlte sich im kratzigen Marineanzug wohl? Wenn wir
an Kleidung denken, so stehen Mode, Statussymbol und Ausdruck
unserer Persönlichkeit im Vordergrund, an die Funktion der
Kleidung, an Wärme und Schutz denken wir weniger. Wie war das
früher? Lässt sich nach alten Texten und Bildern Kleidung
herstellen, die von jedem jeden Tag getragen worden sein könnte?
Wir wollten nicht darstellen, was Könige trugen, sondern das,
was sich jeder Freie, der Land besaß, leisten und besorgen
konnte. Wir wollten bewusst keinen konkreten Fund nacharbeiten.
Unser Anliegen war es einen Eindruck zu vermitteln, wie die
Kleidung vieler Menschen in der Zeit Karls des Großen ausgesehen
haben könnte unter der Voraussetzung, dass sie auch tragbar ist.
Die Umsetzung vom Bild in wirkliche Kleidung war die schwierige
Aufgabe unseres Projektes.
Wie war das
möglich? Folgende Überlegungen haben wir angestellt: Die
bildlichen Vorlagen für unsere Textilien stammen aus dem
Stuttgarter Psalter, und der bildet zumeist Menschen der Ober-
und Mittelschicht ab. Die Abbildungen zeigen also die Kleidung
der breiten Bevölkerung.
Wie konnte man sich diese Kleidung besorgen?
Wer Land hatte, konnte Flachs anbauen und hatte Schafe, also die
für die Textilherstellung notwendigen Rohstoffe auf dem eigenen
Boden. Beschäftigte in anderen Berufen konnten die
erforderlichen Materialien durch Tausch oder Handel erwerben.
Auch die benötigten Farben waren zu beschaffen, denn sämtliche
Farben sind mit organischen Materialien herzustellen: Krapp,
Waid, Birkenlaub und Brennnessel. Die Farben konnten auch
gemischt werden

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