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Flachs
und Wolle waren im Mittelalter die wichtigsten Rohstoffe zur
Herstellung der Textilien. Seide haben wir nicht genommen, denn
dafür gibt es keine Begründung. Vor dem Spinnen zu Garn mussten
Wolle und Flachs aufbereitet werden. Flachs musste durch Raufen,
Rösten, Dörren, Brechen, Schwingen und Hecheln vorbereitet
werden. Das Wollvlies wurde nach der Schur gewaschen, gereinigt
und gekämmt. Wenngleich die Stoffe selbst nur selten erhalten
sind, bringen die erhaltenen Geräte zur Weiterverarbeitung der
Rohstoffe Licht in die Herstellungsprozesse. Den Spinnvorgang
belegen Spinnwirtel aus Holz, Keramik, Stein oder Bein, sowie
Flachsbrechen und Eisenkämme. Das Weben dokumentieren
Webgewichte und hölzerne Webschwerter.
Die
Spindel bestand aus einem Stab, auf die ein Gewicht als
Schwungmasse aufgeschoben wurde. Die Spinnwirtel sind
unterschiedlich groß und schwer, so ließen sich dickere bzw.
feinere Fäden herstellen. Zum Spinnen (vgl.
Freudenberg 1990)
braucht man Rocken, Spindel und Wolle. Den Spinnvorgang kann man
wie folgt beschreiben: Ein mit der Hand verdrehter Vorfaden wird
mit einer Schlaufe am Spinnstab so befestigt, dass die Spindel
hängen kann. Das Fadenende und die Spindel hält man in der
linken Hand. Die rechte Hand setzt die Spindel in Schwung. Nun
zieht man mit der linken Hand einige Fasern aus dem Spinnrocken
und verdreht ihn, die Spindel sinkt mit zunehmender Fadenlänge
zum Boden. Dann wird die obere Schlaufe gelöst und der Faden auf
die Spindel aufgewickelt, der Vorgang beginnt von neuem. Wie neu
herausgefunden wurde, hat man im Mittelalter aber auch mit
unbeschwerter Spindel und Spinnschale gearbeitet, die
Spindelspitze wurde in der Spinnschale gedreht (vgl.
Müller 2003, 234
f.).
Das Weben in
Leinwand- oder Tuchbindung ist zwar ganz einfach, doch zunächst
muss erst einmal ein Webstuhl eingerichtet werden, und das ist
ziemlich kompliziert. In der Wüstung Dalem, Ldkr. Cuxhaven,
wurden bei Ausgrabungen Wegewichte nebeneinander aufgereiht
sowie die Standspuren vom Webstuhl selbst entdeckt (Zimmermann
1990). Hier hatte ursprünglich ein Webstuhl gestanden,
vielleicht waren es auch zwei. Doch nicht nur Gewichtswebstühle
waren im Mittelalter bekannt, sondern auch Zweibaumwebstühle. Ab
wann es Trittwebstühle nördlich der Alpen gab, ist bislang
ungeklärt.
Die
Untertuniken wurden aus einfädigem, gebleichten Leinen gewebt
und mit feinen Streifen aus Gold an den Abschlüssen versehen. Um
die gewünschte Dichte zu erhalten, wurde in der Kette mit 16
Fäden pro Zentimeter und im Schuss mit 10 Fäden pro Zentimeter
gearbeitet. Das Garn hat einen Durchmesser von 0,23 mm (!) (Nm
18/1). Für die Fertigung der Untertuniken wurden 1 166 g Leinen
berechnet. Das Weben von so feinem, ungezwirnten Leinen ist
allerdings sehr schwierig, weil es leicht reißt, gerade bei der
erforderlichen Feinheit. Leinen lässt sich ohnehin nur bei einer
bestimmten Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit Wärme verarbeiten.

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