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Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Historisches Seminar, Abteilung für Ur- und
Frühgeschichtliche Archäologie
Mannheimer
Erklärung
Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel
Abteilung für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie
Historisches Seminar
Robert-Koch-Str.29
48149 Münster
e-mail:
jockenh@uni-muenster.de
Erklärung zu "Facharchäologie
und Reenactment" (Beachte Korrekturzusatz)
Auf dem 6. Archäologentag in Mannheim habe ich am 14.05.2008
folgende persönliche Erklärung abgegeben (kleine
Verschreibungen sind hier korrigiert):
Facharchäologie und Reenactment
In den letzten Jahren hat sich in der musealen
Öffentlichkeitsarbeit bei größeren Sonderausstellungen die
Zusammenarbeit mit sog. Reenactment-Gruppen sehr verstärkt.
Unter diesen Gruppen genießt die Gruppe "Ulfhednar"
besonderen Zuspruch, auch den der öffentlich-rechtlichen
Medien. Sie traten auf zum Beispiel (nach Homepage Ulfhednar):
Keltenmuseum Glauberg, "Pferdeopfer-Reiterkrieger" (2007),
Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin (2004),
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg (2004),
Alamannen-Museum Ellwangen und in mehreren TV-Produktionen
von ARD und ZDF.
Bilddokumente vom Auftritt der Ulfhednar-Gruppe zeigen, dass
diese Gruppe zwar den Originalen fast weitgehend identische
Kleidung, Waffen und Schmuck verwenden. Ihre handwerkliche
Güte steht außer Frage. Es ist aber bei genauem Hinsehen
nicht zu übersehen, dass bei fast jedem Nachbau, sei als
Borde an der Kleidung, an der Pferdedecke, oder am
frühmittelalterlichen Schwert das Hakenkreuz in originaler
oder abgewandelter Weise verwendet wird. Ohne archäologische
Belege bleibt die zumindest in Berlin gezeigte
schwarz-weiß-rote Gruppenfahne mit einem abgewandelten
Hakenkreuz-Motiv. In dieser "geballten" Zusammenschau wird
ohne Zweifel eine Botschaft über die Hakenkreuz-Symbolik in
die Öffentlichkeit transportiert.
Ulfhednar betont in ihrer Homepage und in den Medien
(Presseartikel) ihre enge Zusammenarbeit mit zwei hessischen
Universitäten und ihre Vernetzung mit mehreren deutschen
Museen als Nachweis ihrer öffentlichen Wertschätzung. Die
auf ihrer Homepage nachlesbaren Äußerungen, wie persönliche
Leitsprüche der Mitglieder verorten die Gruppe in einem
betont "germanophilen" Kontext. Dies wäre an sich nichts
Schlimmes, aber in einer fachwissenschaftlichen Publikation
(Arbeitsgemeinschaft "Theorie in der Archäologie" Rundbrief
6/1/2007) wurde von Doreen Mölders und Ralf Hoppadietz auf
die enge Vernetzung von Ulfhednar mit rechtsradikalen und
sogar neonazistischen Gruppen verwiesen (Zitat: "Ein Grund
für die Verwendung neuheidnischer Darstellungen bildet die
enge personelle Vernetzung eines Teils der
Reenactment-Gruppen mit Mitgliedern aus dem Bereich des
NS-Black-Metal und des Rechtsextremismus").
Ich habe diese Erkenntnisse aufgegriffen und in der
Vergangenheit mehrere Ausstellungsveranstalter über diese
fachliche und meine persönliche Einschätzung unter Beifügung
entsprechender Bilder und Schriften unterrichtet, ohne
jedoch Konsequenzen zu fordern. Meine Bemühungen zur
Beschäftigung mit der Problematik blieben ohne sichtbaren
Erfolg.
Die Sachlage hat sich aber dramatisch seit dem 28.04.2008
verändert. Anläßlich einer museumspädagogischen
Rahmenveranstaltung der Paderborner Ausstellung "Eine Welt
in Bewegung" wurde puren Zufalls folgendes "enthüllt". Die
Ulfhednar-Gruppe war unter großem Zulauf des Publikums
aktiv. Die zunehmende Sonnenwärme führte am Nachmittag dazu,
dass ein Mitglied sein Wams auszog. Es kam der bloße
Oberkörper und Bauch zum Vorschein. Auf ihm war in gotischer
Schrift eintätowiert: "Meine Ehre heißt Treue". Es handelt
sich bekanntlich hier um den Leitspruch der SS. Ihn in der
Öffentlichkeit zu nennen oder zu tragen, ist nach
Strafgesetzbuch § 86a ein Straftatbestand. Ein Foto hat dies
festgehalten und es liegt mir vor.
Liebe Kolleginnen und Kollegen: Diese Selbstenttarnung
spricht für sich. Jede weiteren Worte meinerseits erübrigen
sich. Ich fordere jede Wissenschaftlerin und jeden
Wissenschaftler sowie jede Institution eindringlich auf, aus
diesem Sachverhalt die entsprechenden Konsequenzen zu
ziehen.
gez. Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel
Korrekturzusatz zu meiner "Mannheimer Erklärung" vom
14. Mai 2008
Ich stützte mich in meiner persönlichen Einschätzung auf ein
Zitat aus dem gedruckten. Rundbrief der Theorie AG 6/1/2007.
Ich habe dabei die leicht überarbeitete Version auf der
Website der Arbeitsgemeinschaft Theorie (T-AG)
(www.theorieag.de) übersehen, auf die im Rundbrief 6/2/2007
aufmerksam gemacht wurde. In dieser Version wird nicht mehr,
wie auch von mir, ausgeführt: "Ein Grund für die Verwendung
neuheidnischer Darstellungen bildet die enge personelle
Vernetzung eines Teils der Reenactment-Gruppen mit
Mitgliedern aus dem Bereich des NS-Black-Metal und des
Rechtsextremismus". Statt dessen findet sich die jetzt
gültige Passage: "Ein Grund für die Verwendung
neuheidnischer Darstellungen bildet die enge personelle
Vernetzung eines Teils der Reenactment-Gruppen mit
Mitgliedern aus dem Bereich des Pagan-Black-Metal und die
Eigenwahrnehmung als Heiden". Die Gruppe Ulfhednar wird als
ein Beispiel genannt.
Ich entschuldige dieses Übersehen einer wichtigen neuen
Quelle und mache hiermit ausdrücklich auf diese Lesart
aufmerksam, der ich mich im Wortlaut und zugleich
vollinhaltlich anschließe.
Münster, den 20. Mai 2008
gez. Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel
http://www.uni-muenster.de/UrFruehGeschichte/Mannheim.html
Die Veröffentlichung
erfolgt mit Einverständnis des Autors.
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