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Home > Publikationen > Berichte > Rundgang > Die Germanen in Niedersachsen

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Römische Messingeimer ("Hemmoorer Eimer")

Römische Messingeimer ("Hemmoorer Eimer")
von den Germanen als Urnen verwendet

(2./3. Jh. n. Chr.)
Fundort: Hemmoor, Ldkr. Cuxhaven

Erste einheimische Eisenprodukte wie Tüllenbeile und Halsringe datieren in das 6. Jh. v. Chr. In breitem Umfang setzte sich das neue Metall jedoch erst um 400 v. Chr. durch. Die früheste eisenzeitliche Kultur im nördlichen Mitteleuropa, in Jütland und auf den dänischen Inseln, ist die Jastorf-Kultur, die sich deutlich von der keltischen Kultur des südlichen Mitteleuropa abhebt. Sie lässt sich durch ihr Sachgut in regionale Gruppen gliedern. Für Niedersachsen ist besonders das Kerngebiet der Jastorf-Kultur in der Lüneburger Heide und der unteren Elbe sowie die Nienburger Gruppe an der Aller und mittleren Weser wichtig. Im Gegensatz zum Jastorfer Kerngebiet zeichnet sie sich durch stärker keltisch beeinflusstes Sachgut aus, was auf rege Beziehungen zu der keltischen süddeutschen Gruppe der Hallstattkultur oder später der La Tène-Kultur mit ihren stadtartigen Siedlungen, den Oppida, schließen lässt. In der Frühphase sprechen dafür vor allem Bronzeblechgefäße aus dem Alpengebiet und aus dem Mittelrheingebiet. In ihrem Ursprungsgebiet vermutlich als Mischgefäße für Wein benutzt, dienen sie hier in letzter Verwendung als Behältnis für den verbrannten Toten. Nur im Süden, im engeren Kontaktbereich mit den Kelten, kennt man statt der sonst weiterhin üblichen handgeformten Tongefäße schon auf der Drehscheibe sorgfältig gedrehte Keramik.
Durch die Nachbarschaft mit den Römern kommt es in der Römischen Kaiserzeit zu intensiven kulturellen und wirtschaftlichen Kontakten zwischen Römern und Germanen. Um Christi Geburt wurden die Kontakte jedoch zunächst durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt. Der Versuch des Kaisers Augustus, wegen Unruhen in Germanien und wirtschaftlichen Interessen sowie zur Verkürzung der ungünstigen Grenze am Rhein das Gebiet zwischen Rhein und Elbe dem Römischen Imperium einzuverleiben, scheiterte jedoch am Widerwillen der germanischen Stämme gegen römisches Recht und römische Steuern. Unter Führung des Arminius, eines cheruskischen Adligen, der schon in römischen Diensten gekämpft hatte, wurde Varus mit drei römischen Legionen im Jahre 9 n. Chr. "nicht weit vom Teutoburger Wald" vernichtet. Das niedersächsische Gebiet war also niemals römische Provinz, für Jahrhunderte bildeten Rhein und Donau die Grenzen zwischen Römischen Reich und "freiem" Germanien.
Die Nachbarschaft mit den Römern und wirtschaftliche Veränderungen führten zu Differenzierungen in der germanischen Gesellschaft, die sich im Bestattungsbrauch niederschlagen. Besonders herausgehoben sind Gräber vom Typ Lübsow. Sie sind nach einem pommerschen Fundort benannt und wurden in den ersten beiden Jahrhunderten n. Chr. nicht nur in Niedersachsen angelegt. Es handelt sich um einzeln oder in kleinen Gruppen abseits der großen Friedhöfe gelegene, reich ausgestattete Gräber mit aufwendigem Grabbau. Meist wurde der Tote entgegen der sonst üblichen Sitte nicht verbrannt. Nur selten wurden ihm seine Waffen beigegeben, meist aber sein Reitzeug. Überdurchschnittlich oft folgten ihm importierte römische Gefäße aus Bronze, Silber und Glas sowie Edelmetallschmuck ins Grab. Die nahezu vollständigen römischen Ess- und Trinkgeschirre zeigen, dass der Tote auch mit den Lebensgewohnheiten des römischen Adels vertraut war.