.

 

 

Home
Landesmuseum
Arbeitskreis Steinzeit
Publikationen
Landesverein
Freundeskreis
Termin-Kurzübersicht
Links
Sitemap
.
Home > Publikationen > Berichte > Rundgang > Die Germanen in Niedersachsen

- 3 -

Nicht nur der Handel hat dazu geführt, dass römische Gegenstände Germanien erreichten. Germanische Söldner in römischen Diensten, germanische Kriegszüge gegen die römischen Provinzen, römische Geschenke oder Tributzahlungen an germanische Heerführer sind bei der Interpretation des römischen "Importes" gleichermaßen zu berücksichtigen. Es ist zu entscheiden, ob die Gegenstände gewandert sind oder der Mensch, dem sie gehörten, ob nur die die Gegenstände weitergegeben wurden oder auch Sitten, Gebräuche oder Glaubensvorstellungen.

Blick in die Schausammlung "Eisenzeit":

Blick in die Schausammlung "Eisenzeit":
Modelle und Rekonstruktionen von Rennfeueröfen
mit originalem Raseneisenstein

Vor allem seit der Zeit des Kaisers Augustus gelangten römische Erzeugnisse nach Germanien - zuerst vor allem aus dem Südosten, später auch aus dem Westen des Römischen Reiches. Die Funde selbst, aber auch die Angaben römischer Autoren lassen auf ein umfangreiches Warensortiment schließen. Die wichtigsten Importwaren sind Münzen, bronzene Götterstatuetten, Schmuck (Fibeln, Arm- und Fingerringe), Gefäße aus Metall (Bronze und Messing, seltener Silber), aus Glas und aus Ton (Terra Sigillata, Terra Nigra). Vor allem an den Gefäßen wird eine standardisierte Fertigungsweise deutlich. Die römischen Tongefäße können sogar als Massenware gelten.
Hauptsächlich in den Jahrhunderten um Christi Geburt sind menschliche Überreste in die Moore gelangt. Sie stammen zum großen Teil aus dem Gebiet, das römische Autoren als germanisch überliefern. Für das Versinken der Menschen im Moor lassen sich verschiedene mögliche Ursachen anführen. Liegen keine Anzeichen für eine gewaltsame Tötung vor, ist auch ein Unglück denkbar. Bei gewaltsamer Tötung ist im Einzelfall kaum zu entscheiden, ob sie als Todesstrafe oder als Opferung eines Menschen an über- bzw. unterirdische Mächte erfolgen.
Der "Hortfund von Barsinghausen" (Ldkr. Hannover) aus der älteren Eisenzeit markiert den Übergang von der Bronzezeit zur Eisenzeit, da man dieselben Geräte- und Schmuckformen aus Bronze und aus Eisen hergestellt hat. Drei gegossenen Tüllenbeilen aus Bronze stehen drei geschmiedete Tüllenbeile aus Eisen gegenüber. Der echte Wendelring aus Bronze, dessen Verzierung tatsächlich durch Verdrehen des Werkstücks in wechselnder Richtung entstand, findet sein Pendant im falschen Wendelring, dessen Verzierung nicht durch Verdrehen, sondern durch Eingravieren in den runden Stab entstand.
Die Rekonstruktion eines "Eisenverhüttungsplatzes" macht die Eisengewinnung deutlich. Als Rohprodukt liegt das Raseneisenerz aus den feuchten Niederungen vor. Verhüttet wurde das Erz in ca. 1 m hohen Schachtöfen, die abwechselnd mit zerkleinertem Erz und Holzkohle bestückt waren. Zur Verhüttung benötigte man große Mengen Holzkohle. Versuche zeigten, dass zur Gewinnung von 1 kg Eisen ca. 30 kg Holzkohle erforderlich waren. Der Schmelzpunkt des Eisens liegt bei 1 539 °C. Da in diesen Anlagen nur ca. 1 200 °C erreicht wurden, schmolz das Erz nicht, sondern "zerrann". Daher tragen Schachtöfen dieser Art auch den Namen "Rennfeueröfen". Nach der Verhüttung zerschlug man den Ofenmantel, um aus der eisenreichen Schlacke die Eisenkügelchen auszulesen. Nach dem erneuten Erhitzen in "Ausheizherden" wurden diese so lange gehämmert, bis das schmiedbare Roheisen rein genug zur Weiterverarbeitung war. Spuren dieser Ausheizherde und der Rennfeueröfen lassen sich archäologisch gut nachweisen.