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| Die Kunde N. F.
48, 1997, S. 149-150.
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Eine
Vogelfibel des 6. Jahrhunderts von der Siedlungsstelle
Salzgitter-Lobmachtersen,
Stadt Salzgitter |

25 KB |
| von Babette Ludowici
Westlich von
Salzgitter-Lobmachtersen wurden 1953 bis 1955 im Bereich einer
durch Oberflächenfunde bekannt gewordenen Siedlungsstelle
mehrere kleine Sondagengrabungen durchgeführt. Neben
zahlreichen Gruben und Pfostenstandspuren sind dabei auch
Teile eines als Feinschmiedewerkstatt identifizierten
Gebäudes und Reste von Erzschmelzöfen erfaßt worden. Das
geborgene Fundmaterial - hauptsächlich Keramikfragmente sowie
einige Kleinfunde - konnte die Ausgräberin G. Stelzer dem 1.
bis 4. Jh. n. Chr. sowie der Zeit um 400 n. Chr. zuweisen (Stelzer
1958, 38). Da damals "keine eindeutig jüngeren Funde"
bekannt waren, vermutete Stelzer, daß die Niederlassung im 5.
Jh. aufgegeben worden ist. Die metallverarbeitende Werkstatt,
in der u. a. "Scherben von Schmelzgefäßen mit
anhaftenden Buntmetallresten" und ein "wohl
nicht fertig bearbeitetes Silberband" gefunden
wurden, datierte Stelzer in die "jüngste
Siedlungszeit" (Stelzer
1958, 38).
Im Bereich der in den 50er
Jahren sondierten Siedlungsareale sind in den letzten Jahren
wiederholt zahlreiche Keramikscherben an die Oberfläche
gepflügt und aufgesammelt worden. Das aufschlußreichste neue
Fundstück ist jedoch eine kleine Vogelfibel (Abb. 1).
Sie ist nur 3,5 cm lang, aus Bronze gegossen und sorgfältig
nachgearbeitet. Der Nadelhalter und die Nadelrast sind
mitgegossen, die Nadel selbst ist aus Eisen. Das Auge und die
Schwanzfedern des Vogels sind mit eingepunzten Pünktchen
verziert.
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Zwei nahezu identische Fibeln sind
aus dem
sächsischen
Gräberfeld von Liebenau an der Weser bekannt. Sie
gehörten zur Tracht einer in der ersten Hälfte oder in der
Mitte des 6. Jhs. verstorbenen Frau (Brandbestattung N13/B,
vgl. Häßler 1990, Taf. 95). Beide Stücke unterscheiden sich
nur in der Ausarbeitung der Augen des Vogels von der Fibel aus
Lobmachtersen. Sie dürften mit Hilfe derselben Gußform
hergestellt worden sein. Mit der Vogelfibel liegt vom Gelände
der frühgeschichtlichen Siedlung von Lobmachtersen erstmals
ein merowingerzeitlich datierbares Fundstück vor. Sofern es
sich dabei nicht um ein erst nach Aufgabe der Niederlassung
verlorenes Objekt handelt, muß mit einem Fortbestand dieser
Siedlung bis in das 6. Jh. gerechnet werden. |

Abb. 1
Vogelfibel des 6. Jhs. |
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Dem Fibelpaar aus Liebenau hat
H.-J. Häßler ein Reihe von fränkischen Vogelfibeln des 6.
Jhs. zur Seite gestellt (Häßler
1978, 166 Abb. 3.), die im Einzugsbereich des
Rheintales gefunden und von J. Werner als "Typ
Westhofen" (Werner
1961, Taf. 55 oben) beschrieben worden sind. Unter diesen
befindet sich ein weiteres Fibelpaar, das aus demselben Model
wie die Stücke aus Liebenau und Lobmachtersen gearbeitet
wurde (Grabfund bei Dalsheim, Kr. Worms; Thiery
1939, 97 Taf. 14, 311; bei Werner
1961, Tafel 55 stellvertretend für seinen "Typ
Westhofen abgebildet). Häßler vermutet, daß die beiden
Liebenauer Fibeln aus einer rheinischen Werkstatt stammen (Häßler
1978, 164). Es könnte sich aber durchaus um jenseits der
fränkischen Reichsgrenzen gefertigte Stücke handeln,
hergestellt von einheimischen Handwerkern nach dem Vorbild
fränkischer Fibelformen. Zumindest wird dies nicht durch
einen eindeutig rheinischen
"Verbreitungsschwerpunkt" der bislang bekannten
Abgüße des fraglichen Gußmodels widerlegt.
L i t e r a t u r
Häßler,
H. J. 1978: Kulturelle Einflüsse aus dem fränkischen Reich.
In: Sachsen und Angelsachsen. Veröffentlichungen des
Helms-Museums 27, Hamburg 1978, 163-177.
Häßler, H. J.
1990: Das sächsische Gräberfeld bei Liebenau, Kr. Nienburg
(Weser). Studien zur Sachsenforschung 5.3. Veröffentlichungen
der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover
31. Hildesheim 1990.
Stelzer, G.
1958: Zur Frage der kaiserzeitlichen Besiedlung im westlichen
Nordharzvorland. Archaeologica Geographica 7, Hamburg 1958,
37-40.
Thiery, G. 1939:
Die Vogelfibeln der germanischen Völkerwanderungszeit. Berlin
1939.
Werner, J. 1961:
Katalog der Sammlung Diergardt 1. Die Fibeln. Berlin 1961.
Anschrift der Verfasserin:
Babette Ludowici M.A.
Braunschweigisches Landesmuseum
Kanzleistr. 3
38300 Wolfenbüttel
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