Sievershausen Fundstelle Nr. 12, Gemeinde Stadt Dassel, Landkreis
Northeim, Reg.Bez. Braunschweig
St. Veil / R. Leibecke
in "Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 1998" |
| Dieser Fundplatz ist einer von etwa 25 mesolithischen
Fundstreuungen im Dasseler Becken, die R. Leibecke in den vergangenen 15 Jahren bei
Begehungen entdeckt hat; er wurde zwischen 1992 und 1996 viermal abgesammelt. Der
Fundplatz liegt auf einem flachen ansteigenden Geländerücken westlich der Kreisstraße K
513 und südlich eines vom Solling her entwässernden flachen Tales und erstreckt sich in
die Gemarkung Solling (hier Fundstelle Nr. 56) hinein.
Das
Fundmaterial der Sammlung Leibecke umfasst neben wenigen Retuscheuren, Schlagsteinen,
angeschlagenem Felsgestein und einem versteinerten Seeigel etwa 300 geschlagene
Steinartefakte. Das Rohmaterial ist weitgehend ortsfremd mit Feuerstein (vermutlich
Geschiebeflint aus glazigenen Ablagerungen des Leinetals) und Kieselschiefer (Harz). Die
Sammelfunde Leibeckes sind durch eine einheitlich ältermesolithische Mikrolithik und
Technologie und das Fehlen regelmäßiger Klingen und Vierecksmikrolithen gekennzeichnet.
Großgeräte treten im Dasseler Becken nur vereinzelt und hier mit einer Art Scheibenbeil
aus einem Frostsprung auf. Neun Kratzer, zwei Stichel und 13 retuschierte Klingen und
Abschläge, eine einfache Spitze, zwei ungleichschenklige Dreiecke, drei Dreieckspitzen
sowie zwei Kerbreste liegen vor. Diese typologische Zusammensetzung findet sich auch auf
den übrigen Mesolithfundstellen des Dasseler Beckens.
Zur Überprüfung der archäologischen Oberflächenstrukturen im
Hinblick auf eine Testgrabung wurde am 23.03.1997 eine systematische Geländebegehung mit
Einzeleinmessung aller Fundpunkte durchführt. Es wurden 271 Fundpunkte markiert. Die
Streuung der Oberflächenfunde weist Verdichtungen auf, die Hinweise auf einzelne
mesolithische Lagerplatzstrukturen geben. Trotz Pflügens scheinen sich räumliche
anthropogene Strukturen grob erhalten zu haben. Das Fundmaterial bestätigt den bisherigen
Eindruck von der mesolithischen Homogenität dieses Fundplatzes. Nach der Kartierung setzt
sich die Fundverteilung in das nördlich angrenzende Brachland fort. Falls sie vom Pflug
ungestört ist, wird sich eine Grabung mit dem Ziel der Freilegung von
Siedlungsplatzstrukturen lohnen |