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..Die Kunde N. F. 50, 1999, S. 231 - 234

Eine Steinaxt aus Hemmingen-Westerfeld, Ldkr. Hannover - einige Überlegungen zur angewandten Steinbohrtechnik

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von Thomas Lessig
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Die Axt (Abb. 1), die sich in Privatbesitz befindet, wurde um das Jahr 1965 vom Vater des jetzigen Besitzers in einer Ladung Kies gefunden, die wahrscheinlich aus einem Kiesgrubengebiet in Hemmingen-Westerfeld stammt, in dem bereits zahlreiche Funde aus fast allen Epochen der Ur- und Frühgeschichte geborgen wurden. Die aus schwarz-grünem Felsgestein gearbeitete Axt weist eine Länge von 110 mm, eine Breite von 48 mm und eine Höhe von 63 mm auf. Die Schneide und der Nacken sind beide als stumpfe Grate in der Art einer Doppelaxt angelegt worden, wobei der Nacken etwas stärker abgerundet ist. An einer Ecke weist er rezente Beschädigungen in Form von Aussplitterungen auf. In der Aufsicht erscheint die Axt asymmetrisch, da eine der Außenseiten stärker aufgewölbt ist. Die Durchbohrung der Axt endet in einem kleineren Schaftloch mit einem Durchmesser von 23,0 mm sowie auf der gegenüber liegenden Seite in einer größeren, geringfügig oval verlaufenden Öffnung (Durchmesser 27,9 bzw. 27,0 mm).

Steinaxt aus Hemmingen

Abb. 1
Hemmingen-Westerfeld, Gde. Hemmingen, Ldkr. Hannover. Steinaxt.

Typologisch kann die Steinaxt in die Nähe der K 7 a-Äxte (Brandt 1967, 66; Taf. 10,8), einer Axtform des Spätneolithikums, gestellt werden. Eine besonders gute Übereinstimmung findet das Stück aus Hemmingen-Westerfeld in der Steinaxt von Martfeld,, OT. Kleinenborstel, Ldkr. Diepholz, die nach Brandt "als eine Degenerationsform der K 7-Äxte der jütländischen Streitäxte [...] aufgefaßt werden [kann]" (Oldenburg 1983/84, 226). Das große Schaftloch läßt sie allerdings, so Brandt, als "gewöhnliche Arbeitsaxt" erscheinen (Oldenburg 1983/84, 226).

Zeichnet sich das Artefakt aus Martfeld durch seine exakte Bearbeitung aus, so fallen bei dem Stück aus Hemmingen-Westerfeld besonders bei der Durchbohrung einige handwerkliche Ungenauigkeiten auf, die eine besondere Beachtung verdienen.

Es ist besonders auf den sichelförmigen Absatz im konisch verlaufenden Schaftloch hinzuweisen. Ein weiteres interessantes Detail befindet sich auf dem nackennahen Bereich einer der Axt-Lochseiten. Es handelt sich dabei um den Rest einer begonnenen Bohrung in Hohlbohr-Technik. Die 10 mm lange, 2,7 mm breit und maximal 0,7 mm tiefe gekrümmte Rille wird an einem Ende von der größeren Schaftlochöffnung geschnitten, das andere Ende läuft nach oben hin aus. Letzteres ist wohl darauf zurückzuführen, daß größere Partien dieser Anbohrung bei der Überarbeitung der Lochseite weggeschliffen wurden. Die zeichnerische Rekonstruktion des Außendurchmessers der begonnenen Hohlbohrung ergibt einen Wert von 23,6 mm. Die angeführten Daten lassen Rückschlüsse auf die Ausmaße des verwendeten Hohlbohrers zu. Als Rohmaterial zur Herstellung des Bohrers ist ein Holzzweig anzunehmen. In Versuchen bewährte sich Holunderholz, wohingegen der oft angeführte Einsatz von Röhrenknochen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führte ( Vosgerau 1983/84, 189f). In dem vorliegenden Fall hatte der wahrscheinlich aus Holz hergestellte Hohlbohrer einen Außendurchmesser von 23,6 mm, die Wandstärke betrug 2,7 mm, der Innendurchmesser maß demnach 18,2 mm.

Um mehr Informationen über den Ablauf des Bohrprozesses zu erlangen, soll nun der Aufbau des Schaftloches genauer betrachtet werden. Wie bereits erwähnt, wird sein Verlauf durch einen etwa 1 mm hervorspringenden, 20 mm vom größeren Schaftlochaustritt entfernten Absatz gestört. Er läßt sich über mehr als ein Viertel des Bohrlochumfanges verfolgen. Unter dieser Störung, also in Richtung der kleineren Lochöffnung, verläuft die Bohrung gleichmäßig. In entgegengesetzter Richtung läßt sich, nahezu 10 mm von der oberen Lochseite entfernt, erneut eine Veränderung der Schaftlochwand beobachten. Es handelt sich dabei um eine zur Außenseite hin geknickte Facette, die sich, ebenso wie der darunter gelegene Absatz, lediglich über ein Viertel des Lochumfanges verfolgen läßt. Der mittels eines Bleistreifens abgegriffene Wölbungsverlauf unmittelbar unter dem dem Knick läßt erkennen, daß die Bohrung, die diese Störung verursachte, mit einem Bohrer ausgeführt wurde, der weitgehend dem entsprach, der zur Anbohrung der Lochseite genutzt wurde.


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