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Die Axt (Abb. 1), die sich in
Privatbesitz befindet, wurde um das Jahr 1965 vom Vater des jetzigen
Besitzers in einer Ladung Kies gefunden, die wahrscheinlich aus
einem Kiesgrubengebiet in Hemmingen-Westerfeld stammt, in dem
bereits zahlreiche Funde aus fast allen Epochen der Ur- und
Frühgeschichte geborgen wurden. Die aus schwarz-grünem Felsgestein
gearbeitete Axt weist eine Länge von 110 mm, eine Breite von 48 mm
und eine Höhe von 63 mm auf. Die Schneide und der Nacken sind beide
als stumpfe Grate in der Art einer Doppelaxt angelegt worden, wobei
der Nacken etwas stärker abgerundet ist. An einer Ecke weist er
rezente Beschädigungen in Form von Aussplitterungen auf. In der
Aufsicht erscheint die Axt asymmetrisch, da eine der Außenseiten
stärker aufgewölbt ist. Die Durchbohrung der Axt endet in einem
kleineren Schaftloch mit einem Durchmesser von 23,0 mm sowie auf der
gegenüber liegenden Seite in einer größeren, geringfügig oval
verlaufenden Öffnung (Durchmesser 27,9 bzw. 27,0 mm). |

Abb. 1
Hemmingen-Westerfeld, Gde. Hemmingen, Ldkr. Hannover.
Steinaxt. |
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Typologisch kann die Steinaxt in die
Nähe der K 7 a-Äxte (Brandt
1967, 66; Taf. 10,8), einer Axtform des Spätneolithikums,
gestellt werden. Eine besonders gute Übereinstimmung findet das
Stück aus Hemmingen-Westerfeld in der Steinaxt von Martfeld,, OT.
Kleinenborstel, Ldkr. Diepholz, die nach Brandt "als eine
Degenerationsform der K 7-Äxte der jütländischen Streitäxte
[...] aufgefaßt werden [kann]" (Oldenburg
1983/84, 226). Das große Schaftloch läßt sie allerdings, so
Brandt, als "gewöhnliche Arbeitsaxt" erscheinen (Oldenburg
1983/84, 226).
Zeichnet sich das Artefakt aus
Martfeld durch seine exakte Bearbeitung aus, so fallen bei dem
Stück aus Hemmingen-Westerfeld besonders bei der Durchbohrung
einige handwerkliche Ungenauigkeiten auf, die eine besondere
Beachtung verdienen.
Es ist besonders auf den sichelförmigen
Absatz im konisch verlaufenden Schaftloch hinzuweisen. Ein weiteres
interessantes Detail befindet sich auf dem nackennahen Bereich einer
der Axt-Lochseiten. Es handelt sich dabei um den Rest einer
begonnenen Bohrung in Hohlbohr-Technik. Die 10 mm lange, 2,7 mm
breit und maximal 0,7 mm tiefe gekrümmte Rille wird an einem Ende
von der größeren Schaftlochöffnung geschnitten, das andere Ende
läuft nach oben hin aus. Letzteres ist wohl darauf
zurückzuführen, daß größere Partien dieser Anbohrung bei der
Überarbeitung der Lochseite weggeschliffen wurden. Die
zeichnerische Rekonstruktion des Außendurchmessers der begonnenen
Hohlbohrung ergibt einen Wert von 23,6 mm. Die angeführten Daten
lassen Rückschlüsse auf die Ausmaße des verwendeten Hohlbohrers
zu. Als Rohmaterial zur Herstellung des Bohrers ist ein Holzzweig
anzunehmen. In Versuchen bewährte sich Holunderholz, wohingegen der
oft angeführte Einsatz von Röhrenknochen zu keinem
zufriedenstellenden Ergebnis führte ( Vosgerau
1983/84, 189f). In dem vorliegenden Fall hatte der wahrscheinlich
aus Holz hergestellte Hohlbohrer einen Außendurchmesser von 23,6
mm, die Wandstärke betrug 2,7 mm, der Innendurchmesser maß demnach
18,2 mm.
Um mehr Informationen über den
Ablauf des Bohrprozesses zu erlangen, soll nun der Aufbau des
Schaftloches genauer betrachtet werden. Wie bereits erwähnt, wird
sein Verlauf durch einen etwa 1 mm hervorspringenden, 20 mm vom
größeren Schaftlochaustritt entfernten Absatz gestört. Er läßt
sich über mehr als ein Viertel des Bohrlochumfanges verfolgen.
Unter dieser Störung, also in Richtung der kleineren Lochöffnung,
verläuft die Bohrung gleichmäßig. In entgegengesetzter Richtung
läßt sich, nahezu 10 mm von der oberen Lochseite entfernt, erneut
eine Veränderung der Schaftlochwand beobachten. Es handelt sich
dabei um eine zur Außenseite hin geknickte Facette, die sich,
ebenso wie der darunter gelegene Absatz, lediglich über ein Viertel
des Lochumfanges verfolgen läßt. Der mittels eines Bleistreifens
abgegriffene Wölbungsverlauf unmittelbar unter dem dem Knick läßt
erkennen, daß die Bohrung, die diese Störung verursachte, mit
einem Bohrer ausgeführt wurde, der weitgehend dem entsprach, der
zur Anbohrung der Lochseite genutzt wurde. |