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Die Steinkiste
gehört zu der in Niedersachsen seltenen Form der jüngsten
degenerierten Steingräber. Sie läßt sich am ehesten mit der
Steinkiste von Fehrenbruch im Kreise Bremervörde vergleichen
(Anm.: Ernst Sprockhoff, Die nordische Megalithkultur,
1928, Abb.66). In der Bauart bestehen gegenüber der
Kiste von Rade Unterschiede, deren Schmalseiten nicht mit
den üblichen Tragsteinen verschlossen sind, sondern mit
Geröllsteinen. Eine ähnliche Beobachtung wurde bei der
Steinkiste von Deinste im Kreise Stade gemacht (Anm.:
Willi Wegewitz, Die Gräber der Stein- und Bronzezeit im
Gebiet der Niederelbe, 1949, Abb. 31). bei der ein
Wandstein auch durch Geröllsteine ersetzt war. Man möchte
diese Form der Steinkisten an das Ende der Entwicklungsreihe
stellen. Die Beigaben, besonders die röhrenförmigen
Bernsteinperlen, sprechen dafür, daß die Bestattungen in der
Kiste von Rade der Einzelgrabkultur angehören. Zeitlich
dürften diese Funde dem jüngsten Abschnitt der Jungsteinzeit
angehören, der der ersten Stufe der mitteleuropäischen
Bronzezeit entspricht. In dieser Periode werden auch unsere
Großsteingräber von der Einzelgrabbevölkerung belegt, wie
die Untersuchung des Ganggrabes von Emsen-Langenrehm (Anm.:
Willi Wegewitz, a. a. O. Seite 12 ff, Abb. 12,4) oder
die der Steinkammer B der "Sieben Steinhäuser" (Anm.:
Karl Hermann Jacob-Friesen, Die "Sieben Steinhäuser" im
Kreise Fallingbostel, 1925, Abb. 6, 11 und 12) gezeigt
hat. Die mit den beiden Feuersteinspitzen zusammen gefundene
Klinge in Emsen-Langenrehm entspricht der Klinge aus der
Rader Steinkiste.
Ob die
Tonschale, das Feuersteinbeil, das Feuersteinmesser und die
Bernsteinperlen zu einer einzigen Grabausstattung gehören,
läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die verschiedene
Beschaffenheit der Füllerde läßt vermuten, daß die
Einfüllung der Kammer nicht in einem Vorgang erfolgt ist.
Der in der mittleren Schicht eingestreute Leichenbrand
scheint als Nachbestattung in die Kammer gebracht worden zu
sein und dürfte nicht mit den Grabbeigaben in Verbindung
stehen. Die geringe Menge des Leichenbrandes braucht nicht
gegen eine Bestattung zu sprechen, sondern die Beobachtungen
haben gezeigt, daß der Leichenbrand in lockerer Streuung von
Pflanzenwurzeln aufgelöst werden kann.
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