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Eine rätselhafte Tonfigur ...
 

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Die Figur (Abb. 2; Abb. 3) ist insgesamt 12,9 cm groß und an den angedeuteten Stummelarmen 6,6 cm breit. Der hellbraune bis rötliche Ton ist hart gebrannt und grob gemasert. Die Beine sind plump ausgearbeitet und etwa 1,5 cm lang, das rechte Bein ist beschädigt, am linken ist eine Spitze als Fuß angedeutet. Im Bereich des Schrittes ist der Ton an der Oberfläche beschädigt. Die Augen, Nase und Mund sind einfache Einstiche, das Gesicht ist kaum modelliert und die Ohren sind an den Seiten des Kopfes angedeutet, wobei das rechte Ohr fast ganz fehlt, da hier ein Stückchen Ton herausgebrochen ist. Im Nackenbereich der Figur befinden sich in einem Abstand von ca. 1,3 cm umlaufend zwei eingeritzte Linien, von der unteren Linie aus sind senkrecht in unregelmäßigen Abständen weitere Linien rings herum eingeritzt. Von vorn ist die zweite Linie im Halsbereich nicht zu sehen. Auch auf dem Kopf, unter den Augen, an den Armen und an dem einen erhaltenen Fuß sind Einritzungen angebracht. Die Plastik ist bauchförmig hohl, innerhalb des Hohlraumes befinden sich mindestens fünf kleine Kügelchen. 1 Die von Krause erwähnten Brüste sind nicht zu erkennen, vielleicht meinte er die Unebenheiten des Materials im Bereich des Brustkorbes. Insgesamt macht die Figur den Eindruck einer nachlässigen Arbeit, obwohl bei der Herstellung auf einige Details Wert gelegt wurde, wie etwa die Andeutung einer Haarfrisur oder von Kleidung. Hinweise auf die Fundumstände gibt es nicht, und auch im Landesamt für Denkmalpflege in Hannover sind keine Unterlagen vorhanden, so dass die Figur nur mit Hilfe von Parallelfunden zeitlich eingeordnet und interpretiert werden kann. 2
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Abb.2 und 3 - Tonfigur von Beutow,
Ldkr. Lüchow-Dannenberg

Vergleichbare Funde

Der im Wendland gelegene Fundort Beutow könnte einen Hinweis auf einen slawischen Kontext geben, und tatsächlich ist eine vergleichbare Tonfigur des 10. Jahrhunderts in dem slawischen Oldenburg in Holstein gefunden worden (GABRIEL 1978, 365 ff.). Wenn wir uns dieses Objekt nun genauer ansehen (Abb. 4), so ist nur eine geringfügige Ähnlichkeit mit einer menschlichen Gestalt festzustellen, obwohl die Größe und grobe Anfertigung der Figur durchaus an die aus Beutow erinnert. Im Gegensatz zu der Beutower Figur ist das Gesicht nicht mit Einstichen dargestellt, sondern modelliert, wodurch ein eher "bärenhafter" Eindruck entsteht. Zudem ist diese Plastik nicht als Rassel hergestellt.

Im Zusammenhang mit der Oldenburger Figur ist erwähnenswert, daß sie in einem abgebrannten Haus gefunden wurde, an dessen Westseite sich die Skelette von zwei dicht beieinander liegenden Neugeborenen (etwa Geburtsalter und ein bis drei Monate alt) sowie eines Fötus (6.-9. Monat) befanden. Etwas versetzt fand sich das Skelett eines etwa sechs Monate alten Kleinkindes. Dieser Befund könnte so gedeutet werden, daß eine Frau mindestens viermal ein Kind verloren hatte. Gabriel nimmt daher an, daß die in dem Haus gefundene Tonfigur für einen Analogiezauber gedacht war und dazu diente, gesunden Nachwuchs herbeizuwünschen. Für diese Art von Zauber benutzte man Puppen in Gestalt von Wickelkindern (BÄCHTOLD-STÄUBLI 1987, 390; 394; 396). Demzufolge meint Gabriel, daß die Tonfigur als liegende Figur konzipiert sei. Eine Deutung als simples Kinderspielzeug ist meines Erachtens aber nicht auszuschließen, denn es wäre ja auch immerhin möglich, daß es lebende Kinder in dem Haus gegeben hat, die mit dem Figürchen hätten spielen können. Dafür spricht auch die nachlässige und grobe Ausarbeitung der Plastik.

 Abb. 4 Tonfigur aus Oldenburg, Holstein. 
Zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts.

1 Die Figur wurde am 5. November 1997 im Niedersächsischen Landesmuseum von Herrn Konrad-Falz geröntgt, dem ich für seine Unterstützung danke.
2 Herrn Dr. Wachter danke ich für sein Interesse und seine hilfreichen Hinweise.