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Eine rätselhafte Tonfigur ...
 

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Ein weiterer Vergleichsfund aus der Billendorfer Kultur stammt aus dem Grab A/118 vom Schafberg Niederkaina, Kr. Bautzen (COBLENZ 1968, 71 ff; Abb. 6; Taf. 10-11a).  Bei diesem Fundstück handelt es sich aber - wie bei der Beutower Tonfigur - um eine Klapperpuppe (Abb. 7 unten).

Von ganz anderer Machart ist eine anthropomorphe Kleinplastik (Abb. 8) der jüngeren Bronzezeit aus Schwedt, Bez. Frankfurt/O. Sie ist aus braunem Sandstein gearbeitet, ohne Gliedmaße, aber mit einem Gesicht versehen. Wie mikroskopische Untersuchungen ergaben, war die Figur ursprünglich teilweise bemalt.
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.Abb. 7 Klapperpuppen aus Ton.
Oben: Niederkaina, Kr. Bautzen;
Unten: Luga, Kr. Bautzen

Abb. 8 Tonfiguren aus Schwedt,
Bez. Frankfurt/Oder

Diskussion der zeitlichen Einordnung

Von dem Fundort Beutow ist eine kaiserzeitliche Sielung bekannt (HARCK 1972, 69; KOFAHL 1942, 147), aber es gibt meines Wissens keine mit der zu besprechenden Tonfigur vergleichbaren kaiserzeitlichen Objekte, so daß eine zeitliche Zuordnung in die Römische Kaiserzeit nicht in Frage kommt.

Die Beutower Figur ist aufgrund der Machart und Größe sowie einiger morphologischer Merkmale der Oldenburger sehr ähnlich. Tonklappern gehören jedoch zu den großen Seltenheiten slawischer Keramik westlich der Oder und anthropomorphe Tonklappern sind meines Wissens gar nicht bekannt. Lediglich zwei Typen von Rasseln lassen sich nach SCHMIDT(1983, 127 Abb. 3.D; 1989, 48) unterscheiden: Toneier (kleine, schlichte eiförmige Objekte) und sogenannte Warzenklappern (kleine, handliche Objekte mit warzenförmigen Ausformungen). Deshalb halte ich es für unwahrscheinlich, daß die Beutower Tonfigur slawischen Ursprungs ist.

Auch unter den zahlreichen mittelalterlichen Tonfiguren sind keine vergleichbaren Klapperpuppen zu finden 3 (vgl. GABRIEL 1978, Abb. 5; HOFFMANN 1996, 136 ff. OEXLE 1992, 392ff.; BUSCH,  LÖBERT, STEPHAN o. J., 106ff.).

Eine neolithische Datierung wäre meines Erachtens zu gewagt, da Vergleichsfunde fehlen, obwohl die Verzierung an die bekannten linien- und stichbandkeramischen Plastiken erinnert, aber die Machart der Keramik spricht dagegen. Außerdem sind die neolithischen Idole nicht als Klappern hergestellt und die morphologische Ähnlichkeit ist gering (vgl. STEINMETZ 1998, Abb. 1-2).

Am ähnlichsten sind die Klapperpuppen der Billendorfer Kultur, obwohl sich die Beutower Figur durch die Verzierungselemente von diesen abhebt. Strichverzierungen sind auf Gefäßen der Billendorfer Kultur durchaus üblich, sogar einige figürliche Darstellungen sind auf den Hälsen von Terrinen und breiten dreigliedrigen Tassen zu finden (PESCHEL 1990, 73 f. Taf. 65,2; 67; 37). So kann die Beutower Tonfigur mit einiger Wahrscheinlichkeit in den kulturellen Zusammenhang der Billendorfer Kultur gestellt werden.

3 Die Machart und der Brand des Tones sprechen ebenfalls gegen eine Datierung in das Mittelalter, freundliche Auskunft von Priv. Doz. Dr. habil. Hans-Georg Stephan M. A. am 19.09.1997