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uszug aus einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Landesmuseum Hannover,
Urgeschichts-Abteilung

 Von
Dr. Stephan Veil, Oberkustos, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover und Klaus Breest, Berlin

 



Bild: Nds. Landesmuseum Hannover / Stamme
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Langjährige Suche nach 14 000 Jahre altem Bernsteinkopf erfolgreich

Am 20. September 2004 gelang dem Grabungsteam des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover unter Leitung von Oberkustos Dr. Stephan Veil in Weitsche, Ldkr. Lüchow-Dannenberg die Bergung des noch fehlenden Kopfes eines Bernsteintieres. Bei den seit 1994 andauernden Nachforschungen, die unter anderem von der SPARDA-Bank Hannover und vom Land Niedersachsen gefördert werden, konnten einzelne Lagerplätze von Waldjägern der ausgehenden letzten Eiszeit näher untersucht werden. Zu den über Niedersachsen hinaus beachteten Funden gehören mehrere Bernsteinobjekte. Die bemerkenswerte Tierfigur ist das früheste Kunstwerk aus Niedersachsens Boden und außerdem die derzeit älteste von weniger als einem Dutzend Bernsteinfiguren, die aus Skandinavien und dem nördlichen Mitteleuropa bekannt sind. Von der detaillierten Untersuchung des Fundes erhoffen sich die Archäologen neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Kunst am Übergang von der letzten Eiszeit zu unserer Nacheiszeit.

Die Situation der Archäologie ist als paradox zu bezeichnen. Denn einerseits hat die Landwirtschaft die Spuren steinzeitlicher Lagerplätze in Weitsche tiefgründig gestört und vormals vollständige Gegenstände aus Bernstein in viele Splitter zerbrochen. Andererseits konnte Klaus Breest die Fundstelle 1985 nur entdecken, weil erst der Pflug immer wieder urgeschichtliche Feuersteinwerkzeuge zu Tage fördert. Systematische Geländebegehungen und Ausgrabungen seit Beginn der 1990er Jahre haben gezeigt, dass in der weiten Niederung der Ur-Jeetzel vor schätzungsweise 14 000 Jahren unzählige Male Jäger und Sammler der so genannten Federmessergruppen ihre Lager aufgeschlagen haben. Am 20. September 2004 nun wurde ein bedeutsames Kapitel in dem archäologischen Fortsetzungsroman aufgeschlagen, in dessen Mittelpunkt die bruchstückweise Entdeckung der ältesten Tierfigur Niedersachsens steht. Die Geschichte begann 1994 mit der Entdeckung des Hinterteils eines etwa handtellergroßen Bernsteintieres. Bei der anschließenden Ausgrabung wurden weitere Bruchstücke des Rumpfes gefunden, denen 1995 die Entdeckung der Beine folgten. Mit der Auffindung des Tierhalses 1996 schien man dem Rätsel, was für ein Tier am Ende der Eiszeit geformt worden war, ein gutes Stück näher gekommen. Denn die eingravierte Mähne und die spitzovalen herausgearbeiteten Ohren ließen kaum Zweifel an der Rekonstruktion als Wildpferd aufkommen. Die Aussichten, doch noch gewissermaßen die Nadel im Heuhaufen, nämlich den Kopf selbst, auf dem mehrere Hektar großen Ackergelände zu finden, wurden durch eine beachtliche finanzielle Zuwendung der Spardabank Hannover zumindest verbessert. Immerhin bedurfte es noch großer Anstrengungen und einer effizienten Technik, um bis heute etwa 700 qm schweren Ackerbodens zu untersuchen. Mitentscheidend für den Erfolg war der in der Archäologie seltene Einsatz effektiver Siebmaschinen und Hochdruckreiniger bei der Bergung. Mit ihrer Hilfe konnten bis zu 4 mm kleine Bodenbestandteile schonend und zugleich schneller als von Hand ausgesiebt und nass gereinigt werden.

Gegen 12 Uhr 40 am 20. September 2004 lag das heiß ersehnte Bernsteinköpfchen endlich in der Hand der Archäologen. Eine erste Auswertung des Fundes kommt zu dem wahrlich überraschenden Ergebnis, dass vermutlich ein Elch und nicht, wie zunächst mit guten Gründen vermutet, ein Wildpferd abgebildet worden ist. Bei dieser unerwarteten Lesart des Tieres hätte sich die mühselige Suche nach dem Kopf zusätzlich gelohnt, wäre sie doch mehr als bloße Bestätigung bekannten Wissens. Die Darstellung eines Elches als Übergangstier wäre ein bemerkenswertes Element im Wandel der menschlichen Kultur, der mit dem Klimaumbruch am Ende der letzten Eiszeit und den dadurch ausgelösten Umweltveränderungen einherging. In diesem Fall wäre es eine sehr frühe, wenn nicht die früheste Darstellung dieses Charaktertieres der borealen Nadelwälder Eurasiens und Amerikas und eine ökologisch typische Erscheinung in der Zeit des Klimaumschwungs am Ende der letzten Eiszeit, in der die Jäger und Sammler von Weitsche lebten. Die Figur könnte als eines der außerordentlich seltenen Bildwerke aus jener Zeit Licht auf die Begleitumstände des im Dunkeln liegenden Wandels werfen, dem die eiszeitliche Kultur der Steppenjäger mit ihrer naturnahen Kunst hin zum geometrisierenden und ornamentalen Stil der Waldjägerkultur der Nacheiszeit unterworfen gewesen ist.

Dr. Stephan Veil, Klaus Breest
 


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