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Archäologie -
nostalgisch (?)

 

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Die Kunde Neue Folge Heft 1 u. 2 - Jahrgang 1950

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Wissenschaft und Weltanschauung in der Urgeschichtsforschung
von Prof. Dr. K. H. Jacob-Friesen Druckversion
Von vielen unserer Freunde werden wir immer wieder gefragt, wodurch sich denn die heutige Auffassung über die älteste Kultur unserer Vorfahren von der in der nationalsozialistischen Zeit mit soviel Propaganda unterstrichenen Lehre unterscheide, denn der vorgelegte Fundstoff sei doch derselbe wie früher auch. Gewiß, der Stoff ist derselbe und wird immer - mit den durch neue Funde bedingten Erweiterungen - derselbe bleiben, aber der große Unterschied zwischen früher und jetzt ist die Deutung des Stoffes. Hier stehen sich eben schroff Weltanschauung und Wissenschaft gegenüber.

Was Rosenberg und seine Trabanten als Weltanschauung bezeichneten, war weiter nichts als eine Reihe von Dogmen, die zur Grundlage aller Auffassungen gemacht wurden. Dogmen sind aber Glaubenssätze, und Glaube beginnt bekanntlich dort, wo das Wissen aufhört. Im Gegensatz zum starren Glauben versucht die Wissenschaft, durch immer tiefer schürfende Erkenntnisse zur Wahrheit vorzudringen, wobei sie nicht so überheblich ist, alle ihre Wege für die einzig richtigen anzusehen.

Grundlage für alle wissenschaftlichen Forschungen müssen Tatsachen sein, aus denen Beweise gezogen werden können; es dürfen niemals Behauptungen aufgestellt werden, für die dann erst krampfhaft Beiweismaterial herangezerrt wird. Vor allem muß die Wissenschaft unbedingt frei sein von allen starren Bindungen, sie muß immer vorwärtsstreben und deswegen mitunter auch manche lange für richtig gehaltene Anschauung durch neue Erkenntnisse, die der Wahrheit näher kommen, ersetzen. Dabei muß ein Grundsatz im Vordergrund stehen, nämlich der, keine Wunschbilder zu entwerfen, sondern die ganze Härte der nackten Tatsachen stets vor Augen zu haben. Diese Auffassung (siehe Einführung in Niedersachsens Urgeschichte, 3. Aufl. 1939) stand natürlich in striktem Gegensatz zur Dogmenfreudigkeit des "Reichbundes für deutsche Vorgeschichte".