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Von vielen unserer Freunde werden wir immer wieder gefragt,
wodurch sich denn die heutige Auffassung über die älteste
Kultur unserer Vorfahren von der in der
nationalsozialistischen Zeit mit soviel Propaganda
unterstrichenen Lehre unterscheide, denn der vorgelegte
Fundstoff sei doch derselbe wie früher auch. Gewiß, der
Stoff ist derselbe und wird immer - mit den durch neue Funde
bedingten Erweiterungen - derselbe bleiben, aber der große
Unterschied zwischen früher und jetzt ist die Deutung des
Stoffes. Hier stehen sich eben schroff Weltanschauung und
Wissenschaft gegenüber.
Was Rosenberg und seine Trabanten
als Weltanschauung bezeichneten, war weiter nichts als eine
Reihe von Dogmen, die zur Grundlage aller Auffassungen
gemacht wurden. Dogmen sind aber Glaubenssätze, und Glaube
beginnt bekanntlich dort, wo das Wissen aufhört. Im
Gegensatz zum starren Glauben versucht die Wissenschaft,
durch immer tiefer schürfende Erkenntnisse zur Wahrheit
vorzudringen, wobei sie nicht so überheblich ist, alle ihre
Wege für die einzig richtigen anzusehen.
Grundlage für alle wissenschaftlichen Forschungen müssen
Tatsachen sein, aus denen Beweise gezogen werden können; es
dürfen niemals Behauptungen aufgestellt werden, für die dann
erst krampfhaft Beiweismaterial herangezerrt wird. Vor allem
muß die Wissenschaft unbedingt frei sein von allen starren
Bindungen, sie muß immer vorwärtsstreben und deswegen
mitunter auch manche lange für richtig gehaltene Anschauung
durch neue Erkenntnisse, die der Wahrheit näher kommen,
ersetzen. Dabei muß ein Grundsatz im Vordergrund stehen,
nämlich der, keine Wunschbilder zu entwerfen, sondern die
ganze Härte der nackten Tatsachen stets vor Augen zu haben.
Diese Auffassung (siehe Einführung in Niedersachsens
Urgeschichte, 3. Aufl. 1939) stand natürlich in striktem
Gegensatz zur Dogmenfreudigkeit des "Reichbundes für
deutsche Vorgeschichte".
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