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Archäologie -
nostalgisch (?)

 

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Die Kunde Neue Folge Heft 1 u. 2 - Jahrgang 1950

Wissenschaft und Weltanschauung in der Urgeschichtsforschung

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- 2 -

Welches waren nun die parteipolitisch festgelegten Dogmen? Sie gehen letzten Endes alle auf die Rassenphilosophie bzw. Rassenphantasie des Franzosen Gobineau zurück. Dieser schrieb 1854 eine Arbeit über die Ungleichheit der Rassen und stellte die These auf: Gott hat drei Rassen geschaffen, die Neger, Mongolen und die Weißen. Unheilbar unedel sind die Neger, die edelsten sind die Weißen. Innerhalb der weißen Völker sind die Blonden und unter diesen wieder die Germanen die alleredelsten. Diese, merkwürdigerweise einem französischen Gehirn entsprungenen Werturteile wurden nun zum Glaubensgrundsatz erhoben. Daß ich schon 1928 in meinen "Grundfragen der Urgeschichtsforschung" diese Art Rassenforschung ablehnte und im Hinblick auf die Ausführungen von Gobineau und seinen Nachbetern schrieb: Die Rassenphilosophie ist in unseren Tagen zum Rassenfanatismus ausgeartet und sogar in die Politik hineingetragen worden", wurde nach 1933 natürlich als Ungeheuerlichkeit betrachtet, so daß ich nach Art der mittelalterlichen Inquisition aufgefordert wurde, diese Sätze öffentlich zu widerrufen. Da ich dies nicht tat, warnte W. Hülle, der nächste Mitarbeiter von H. Reinerth, öffentlich vor dieser Irrlehre. So "lenkte" man im Dritten Reiche die Wissenschaft!

Drei Maßnahmen stützten die "reine Lehre". Erstens wurde alles, und mochte es den größten Unsinn darstellen, was zum größeren Ruhme der Germanenherrlichkeit dienen konnte, gutgeheißen. Zweitens wurde alles, was der Germanenherrlichkeit hätte Abbruch tun können oder was gar noch höher stand als die nordisch-germanische Kultur, einfach tot geschwiegen. Und drittens wurde jeder Wissenschaftler, der es wagte, aus innerer Erkenntnis anderer Meinung zu sein, mit Schlagworten diffamiert.

Dafür einige Beispiele:
Hermann Wirth meinte in seiner hemmungslosen Phantasie, den Aufgang der Menschheit nach dem Norden verlegen und von hier die heilige Urschrift herleiten zu können. Als er gar die Ura-Linda-Chronik, die längst als Fälschung entlarvt und von unserem Göttinger Germanisten Edward Schröder als "grandiose Bierzeitung" bezeichnet worden war, wieder ausgrub und als Germanenbibel verherrlichte, da wurde ihm sogar die Aula der Berliner Universität zur Disputation mit seinen Gegnern zur Verfügung gestellt. Daß er dabei, trotzdem ihm der Rektor der Münchener Universität sekundierte, zweiter Sieger blieb, störte ihn und seine Anhänger sehr wenig, er erfreute sich weiter des höchsten Ansehens aller Parteigrößen.

Hermann Wille, der nicht über die einfachsten urgeschichtlichen Kenntnisse verfügte, sah in den Riesensteingräbern des Nordens germanische Gotteshäuser und führte die griechischen und römischen Tempel sowie die frühchristlichen Kirchen auf die nordischen Megalithgräber zurück. Beweise brachte er nicht, immer nur Behauptungen, und da sie der Germanenherrlichkeit dienten, wurden sie (mit Ausnahme der Wissenschaft, siehe "Kunde" 1934) freudig anerkannt und brachten dem Verfasser schöne Aufträge zur Errichtung moderner Kulthallen.

Der dritte im Bunde der parteiamtlich geförderten Phantasien war Wilhelm Teudt, der die heiligen Linien erfunden hatte, der frühchristliche oder auch  ganz moderne Anlagen als uralte germanische Heiligtümer und einzig dastehende astronomische Pflegestätten ausgab. Allen, die seine Thesen ablehnten, warf er vor, "sie ergriffen Partei gegen das deutsche Volkstum und seine Belange", wobei man nicht wisse, "wieweit dabei auch Ungerechtigkeit, Sadismus oder auch manchmal eine partielle Hemmung der Verstandeskräfte beteiligt seien." Eine billige Art der Beweisführung! Er wurde sogar zum Professor ernannt. Auf wessen Vorschlag wohl?