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Archäologie -
nostalgisch (?)

 

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Die Kunde Neue Folge Heft 1 u. 2 - Jahrgang 1950

Wissenschaft und Weltanschauung in der Urgeschichtsforschung

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Nach Meinung dieser Phantasten - und es gab ihrer noch eine ganze Reihe, die parteiamtlich wegen ihrer einwandfrei ausgerichteten Weltanschauung gestützt wurden - sollten also alle großen kulturfördernden Erkenntnisse und Fortschritte von den Germanen oder ihren nordischen Vorfahren erzielt worden sein, getreu dem Dogma von L. Woltmann, einem Epigonen von Gobineau: "Die Germanen brachten durch Ausbreitung ihrer Rasse Europa Kultur und Gesittung." Sensation war eben beliebter als nüchterne Wissenschaft!

Natürlich wurde das so oft mißbrauchte Schlagwort "ex oriente lux" durch das noch törichtere Schlagwort vom "Zug zum Norden" ersetzt. Demgemäß war es unmöglich, in irgend einem Land eine höhere urgeschichtliche Kultur anzuerkennen als im Norden. Das war für unser Volk verdummend und wirkte im Ausland lächerlich. Niemand von den Parteigrößen gab zu, daß es im Zweistromland schon wirkliche Großstädte mit festen Häusern, sanitären Anlagen und einen Pomp an Gold und Edelsteinen gab, als bei uns die Bauernbevölkerung in Holzhäusern lebte und mit Steinmessern sich ihr Gerät schnitzte. Deswegen braucht uns doch aber unsere einfach Bauernkultur nicht weniger lieb und interessant zu sein, als eine überzüchtete Großstadtcivilisation! Das ist heute noch so, denn in einem gesunden Bauernburschen steckt oft mehr kulturelle Entwicklungsfähigkeit als in einem entnervten Asphaltjüngling. Aber an der Tatsache - Bauern im Norden, Städter im Osten - selbst kommen wir doch nicht vorüber. Ähnlich steht es mit der provinzial-römischen Kultur, die jahrhundertelang das Westgebiet unseres Vaterlandes bestimmend beeinflußte. Dieser Abschnitt in der Geschichte unseres Vaterlandes ist nun einmal nicht wegzuleugnen, aber wehe dem Gelehrten, der sich mit der Erforschung dieses Zeitabschnittes beschäftigte, er wurde unnachsichtig als "Römling" gebrandmarkt, wie sich Herr Reinerth so geschmackvoll auszudrücken beliebte.

Im Ausland, und nach 1945 auch in Deutschland, wurde oft behauptet, den unwissenschaftlichen Schwarmgeistern gegenüber habe die deutsche Fachwissenschaft versagt. Das ist nicht richtig, denn immer und immer wieder traten wahrheitsliebende Männer auf und erhoben ihre Stimme gegen die Phantastereien. Natürlich standen ihnen nicht die weitverbreiteten parteiamtlichen Zeitschriften zur Verfügung, und so wurde ihr Protest sehr häufig übersehen. Aber klar kam die Ablehnung der parteiamtlichen Dogmen in der Haltung der überwiegenden Mehrzahl aller Fachvertreter gegenüber dem Amt Rosenberg und dessen Hauptamtsleiter Reinerth zum Ausdruck. Reinerth hatte den Auftrag, die bisher landschaftlich gebundenen und wissenschaftlich arbeitenden Prähistoriker im Reichsbund für deutsche Vorgeschichte im Sinne Rosenbergs zu einen, er hat diese Einigung auch zu 95 % erreicht, aber nicht für sich, sondern gegen sich!