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Nach Meinung
dieser Phantasten - und es gab ihrer noch eine ganze Reihe,
die parteiamtlich wegen ihrer einwandfrei ausgerichteten
Weltanschauung gestützt wurden - sollten also alle großen
kulturfördernden Erkenntnisse und Fortschritte von den
Germanen oder ihren nordischen Vorfahren erzielt worden
sein, getreu dem Dogma von L. Woltmann, einem Epigonen von
Gobineau: "Die Germanen brachten durch Ausbreitung ihrer
Rasse Europa Kultur und Gesittung." Sensation war eben
beliebter als nüchterne Wissenschaft!
Natürlich
wurde das so oft mißbrauchte Schlagwort "ex oriente lux"
durch das noch törichtere Schlagwort vom "Zug zum Norden"
ersetzt. Demgemäß war es unmöglich, in irgend einem Land
eine höhere urgeschichtliche Kultur anzuerkennen als im
Norden. Das war für unser Volk verdummend und wirkte im
Ausland lächerlich. Niemand von den Parteigrößen gab zu, daß
es im Zweistromland schon wirkliche Großstädte mit festen
Häusern, sanitären Anlagen und einen Pomp an Gold und
Edelsteinen gab, als bei uns die Bauernbevölkerung in
Holzhäusern lebte und mit Steinmessern sich ihr Gerät
schnitzte. Deswegen braucht uns doch aber unsere einfach
Bauernkultur nicht weniger lieb und interessant zu sein, als
eine überzüchtete Großstadtcivilisation! Das ist heute noch
so, denn in einem gesunden Bauernburschen steckt oft mehr
kulturelle Entwicklungsfähigkeit als in einem entnervten
Asphaltjüngling. Aber an der Tatsache - Bauern im Norden,
Städter im Osten - selbst kommen wir doch nicht vorüber.
Ähnlich steht es mit der provinzial-römischen Kultur, die
jahrhundertelang das Westgebiet unseres Vaterlandes
bestimmend beeinflußte. Dieser Abschnitt in der Geschichte
unseres Vaterlandes ist nun einmal nicht wegzuleugnen, aber
wehe dem Gelehrten, der sich mit der Erforschung dieses
Zeitabschnittes beschäftigte, er wurde unnachsichtig als
"Römling" gebrandmarkt, wie sich Herr Reinerth so
geschmackvoll auszudrücken beliebte.
Im Ausland,
und nach 1945 auch in Deutschland, wurde oft behauptet, den
unwissenschaftlichen Schwarmgeistern gegenüber habe die
deutsche Fachwissenschaft versagt. Das ist nicht richtig,
denn immer und immer wieder traten wahrheitsliebende Männer
auf und erhoben ihre Stimme gegen die Phantastereien.
Natürlich standen ihnen nicht die weitverbreiteten
parteiamtlichen Zeitschriften zur Verfügung, und so wurde
ihr Protest sehr häufig übersehen. Aber klar kam die
Ablehnung der parteiamtlichen Dogmen in der Haltung der
überwiegenden Mehrzahl aller Fachvertreter gegenüber dem Amt
Rosenberg und dessen Hauptamtsleiter Reinerth zum Ausdruck.
Reinerth hatte den Auftrag, die bisher landschaftlich
gebundenen und wissenschaftlich arbeitenden Prähistoriker im
Reichsbund für deutsche Vorgeschichte im Sinne Rosenbergs zu
einen, er hat diese Einigung auch zu 95 % erreicht, aber nicht
für sich, sondern gegen sich!
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