|

Wer zieht das große Los?
Schon bei den alten Griechen gab es das Losorakel. Man befragte das
Orakel etwa, ob eine Schlacht beginnen sollte. Sogar Gottesurteile
wurden so gefällt. Noch im Mittelalter pflegte man diesen Brauch.
Der römische Senator und Historiker Tacitus (gestorben 115 n. Chr.)
berichtet, dass auch die Germanen das Orakeln kannten: sie
schnitzten kleine Stäbchen aus zwei frisch geschnittenen Zweige und
markierten diese mit unterschiedlichen Zeichen. Sie wurden auf ein
Tuch geworfen, gezogen und gedeutet.
In Niedersachsen und auch in England finden sich in Gräbern des
4.bis 6. Jahrhunderts hin und wieder kleine Stäbchen aus Knochen.
Oft sind sie auf dem Kopf oder am Schaft verziert. Sie kommen
einzeln vor, aber auch paarweise. Die paarigen Stäbchen sind dann
immer unterschiedlich markiert - Orakelstäbchen? Die hier gezeigten
Exemplare stammen aus niedersächsischen Gräberfeldern.
Auch heute wird noch mit
kleinen Stäbchen gelost - mit Streichhölzern!
|