Die Spur der Perlen
In Niedersachsen gehörten im ersten Jahrtausend Ketten aus
bunten Glasperlen zum Trachtschmuck der Frauen. Diese Kette hier
(5./6. Jahrhundert) ist ein besonders schönes Exemplar. Sie
wurde um 1900 irgendwo in der Nähe von Immenbeck (Ldkr. Stade)
gefunden. Solche Ketten sind sehr selten. Der Grund dafür sind
die Bestattungsbräuche dieser Zeit: Die Toten wurden meistens in
ihre Tracht gekleidet eingeäschert. Prächtiger Glasperlenschmuck
verwandelt sich dabei in unscheinbare Schmelzklumpen. Dieser
Glasschmelz findet sich häufig in den Urnengräbern der Zeit.
Dass die Kette von Immenbeck unversehrt erhalten blieb, ließ
vermuten, dass sie zur Tracht einer Toten gehörte, die
unverbrannt begraben wurde. Bislang kannte man nur wenige Gräber
dieser Art. Vor einigen Jahren wurde dann tatsächlich bei
Immenbeck einen Friedhof des 5. und 6. Jahrhunderts entdeckt -
mit über 200 Körperbestattungen! Vermutlich handelt es sich
dabei um Mitglieder privilegierter Familien, die ihre Toten
anders als allgemein üblich begruben.
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