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Die Vorträge sind Veranstaltungen des
Niedersächsischen Landesvereins für Urgeschichte e.V. in Zusammenarbeit mit
dem Fachbereich Archäologie des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Sie finden statt im Vortragssaal des
Niedersächsischen Landesmuseums, Willy-Brandt-Allee 5. Der Eintritt
ist frei, im Anschluss Umtrunk mit den Referenten.
Gäste sind zu den Vorträgen herzlich willkommen.
Archäologische Vorträge Oktober 2009 - April 2010
Archäologische Highlights aus Niedersachsen
Do., 29.10.2009, 19:30
Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen I
Bernsteinschnitzer vor 14.000 Jahren am Urstromtal der Elbe
Dr. Stephan Veil, Hannover
Seit fast 20 Jahren untersucht das Nds. Landesmuseum Hannover in einem
archäologischen Forschungsschwerpunkt Oberflächenfunde späteiszeitlicher
Jäger, Fischer und Sammler im Jeetzeltal zwischen Grabow und Weitsche. 2007
gelang die Entdeckung eines von Ackerbau ungestörten Lagerplatzes. Er wird
seither von einer interdisziplinären Forschergruppe unter Leitung des Nds.
Landesmuseum ausgegraben.
Die Entdeckung überraschender Tätigkeiten wird Gegenstand des Vortrag sein,
ebenso spannend sind die Beziehungen zwischen Mensch und Landschaft im
Urstromtal am Rande des Biosphärenreservats Elbaue.
Do., 05.11.2009, 19:30
Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen II
Die Hünenburg bei Watenstedt - der erste befestigte Herrschaftssitz aus der
Bronzezeit mit Außensiedlung in Mitteleuropa
Dr. Immo Heske, Göttingen
Am Nordrand der Mittelgebirgszone endet das Verbreitungsgebiet der
jungbronzezeitlichen Befestigungsanlagen. Besonders für den süddeutschen
Raum sind seit einigen Jahrzehnten aufgrund des vergleichsweise guten
Forschungsstandes einige Klassifikationsansätze entwickelt worden, die in
der Diskussion seitdem eine herausragende Rolle spielen. Die Funktion der
Anlagen im Siedlungsgefüge erschließt sich dabei nicht allein über die
jeweilige Befestigung, sondern die zugehörigen Gräberfelder, angegliederten
Flachsiedlungen und die naturräumliche Einbettung in die Mikroregion mit
ihren Ressourcen sind ebenso zu berücksichtigen.
Aus Niedersachsen können mit den Befunden von der Hünenburg bei Watenstedt,
Kr. Helmstedt, völlig neue Ansätze in die Diskussion eingebracht werden. In
einem reichen archäologischen Umfeld ist für die Hünenburg erstmals in
Mitteleuropa nördlich der Alpen eine Außensiedlung entdeckt worden. Die
Ausdehnung reicht dabei an die Vorburgsiedlungen von Troia, Mykene und
Tiryns heran. Die Fund aus der Hünenburg-Außensiedlung zeigen viele Indizien
eines herausragenden Herrschaftssitzes. Qualitätvolle Metallverarbeitung,
Importfunde aus unterschiedlichen "zerrupften" Bestatteten geben erste
Einblicke in einen Eliteort im europäischen Kontext.
Vortrag zum VHS-Seminar "Kalt, feucht und
zugig - wohnten so unsere Vorfahren?" der Reihe Archäologie in Niedersachen.
Dozentin Dr. Beate Veil.
Do., 10.12.2009, 19:30
Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen III
Vom Scheiterhaufen unters Mikroskop: Brandbestattungen der Römischen
Kaiserzeit als historische Quelle
Dr. Babette Ludowici, Hannover
Grabfunde sind eine Hauptquelle für die 'Erforschung ur- und
frühgeschichtlicher Gesellschaftssysteme. Für die Römische Kaiserzeit stehen
in Niedersachsen dafür tausende von Brandbestattungsbefunden zu Verfügung.
Die Einäscherung der Toten war hier in dieser Zeit (1. - 4.
Jahrhundert) die Regel. Die Asche der Toten wurde meistens in einer Urne
beigesetzt. In einigen Regionen begrub an sie aber auch zusammen mit den
Rückständer der Scheiterhaufen ohne Urne in einfachen Gruben. Solche so
genannten "Brandgrubengräber" sind im archäologischen Befund sehr
unscheinbar. Bislang sind nur wenige mit der erforderlichen Akribie
untersucht worden. Wie ertragreich dies sein kann, zeigt jetzt die
Untersuchung eines kaiserzeitlichen Friedhofs bei Grethem im Landkreis
Soltau-Fallingbostel durch das Landesmuseum Hannover. Die dort gewonnenen
Erkenntnisse werfen ein ganz neues Licht auf unser Bild des
gesellschaftlichen Gefüges der Bewohner Niedersachsen im 2. und 3.
Jahrhundert.
Do., 14.01.2010, 19:30
Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen IV
Der "Jahrhundertfund" eines römischen Schlachtfeldes am Harzrand: Roms
vergessener Feldzug
Dr. Petra Lönne, Northein
Dr. Michael Geschwinde, Braunschweig
Im Sommer 2008 legte ein geschichtlich interessierter Bürger der
Northeimer Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne ungewöhnliche Funde vor: eiserne
Speerspitzen, Spitzen von Katapultgeschossen, eine Pionierschaufel und ein
"Hipposandale" - ein spezieller Hufschutz für Pferde und Maultiere, wie er
nur in der römischen Armee verwendet wurde. Die Objekte stammten von einem
markanten Geländesporn bei Kalefeld, Ldkr. Northeim, der als eine natürliche
Barriere auf den Westrand des Harzes zuläuft. Gemeinsam mit dem Nds.
Landesamt für Denkmalpflege leitete die Kreisarchäologie ein ungewöhnliches
Projekt ein: Abgeschirmt von der Öffentlichkeit wurde das Gelände mehrfach
systematisch mit Metallsonden prospektiert, hunderte georteter Funde wurden
freigelegt, detailliert dokumentiert und ihre Konservierung eingeleitet.
Dabei zeigt sich schnell, dass es sich nicht wie anfangs vermutet um ein
weiteres römisches Lager handelt, sondern um ein ausgedehntes Gefechtsfeld
zwischen römischen Truppen und Germanen.
Das Schlachtfeld konnte in das 2. Viertel des 3. Jahrhunderts nach Christus
datiert werden. Eine kleine Sensation: Zwar gibt es vereinzelte Hinweise in
den antiken Schriftquellen auf militärische Vorstöße der Römer jenseits des
Limes, mit einer solchen Militärpräsenz so weit innerhalb der gemania
magna war jedoch nicht zu rechnen.
Seit der Entdeckung des Fundplatzes konnten zwischenzeitlich über 800 Funde
geborgen werden - teilweise sind sie so gut erhalten, dass es möglich ist,
Teilereignisse des Kampfgeschehens nachzuvollziehen. Zahlreiche Funde von
Sandalennägeln geben Hinweise auf die Marschrichtungen der römischen
Soldaten.
Do., 25.02.2010, 19:30 Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen IV
Werla 1937, 1957, 2007 - Neue Untersuchungen auf der Königspfalz Werla
Dr. Marcus Blaich, Schladen
Die Pfalz Werla ist im 10 Jahrhundert einer der wichtigeren Schauplätze
deutscher Geschichte gewesen. Von Heinrich I. bis Ott III. (926-1002) haben
sich hier alle Könige und Kaiser mehrfach aufgehalten und wichtige
Entscheidungen getroffen. Werla ist eine der ältesten Pfalz im
ostsächsischen Gebiet. Daher bildet die Kernburg ein auf die königlichen
Bedürfnisse zugeschnittenes Bauensemble, wohingegen die Vorburg vor allem
für Handwerk und Gewerbe genutzt wurde. Im Herbst 1180 war Werla zum letzten
Mal Schauplatz eines Ereignisses von europäischer Bedeutung, als hier Kaiser
Friedrich I. Barbarossa den Prozess gen Heinrich den Löwen abschloss.
Die im Jahr 2007 wieder aufgenommenen archäologischen Untersuchungen
widmeten sich nicht nur der Kernburg, sonder bezogen auch die Vorburgen ein.
Diese Untersuchungen erlauben einen neuen Blick auf die Pfalz und ihre
Bedeutung für das Harzvorland.
(gemeinsamer Vortrag mit dem Historischen
Verein für Niedersachsen)
Do., 11.03.2010, 19:30 Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen V
Wo lagen die alten Burgen der Sachsen? Die frühmittelalterliche Burganlage
von Groß Thun
Dr. Andreas Schäfer, Stade
Etwa drei Kilometer südwestlich der Stadt Stade (Niedersachsen) liegt am
Flüsschen "Schwinge" eine frühmittelalterliche Wallanlage, die als
"Schwedenschanze" bezeichnet wird. Bei Grabungen der Stadtarchäologie Stade
und der Universität Hamburg in den Jahren 2005 bis 2007 konnte eine Nutzung
der Burg während des 7. und 9. Jh. n. Chr. nachgewiesen werden.
Im Vorfeld der Ausgrabungen wurden große Teile der Innenfläche mit
geophysikalischen Methoden untersucht. Die Ausgrabungsflächen wurden nach
den Ergebnissen dieser Untersuchungen platziert. Im Innenbereich der
Wallanlage zeigen sich dichte Besiedlungsspuren. Die Befunde umfassen
Siedlungsgruben, Feuerstellen und Pfostengruben. Aus den Befunden in der
Innenfläche wurde größere Mengen an frühmittelalterlicher, teilweise
stempelverzierter Keramik geborgen. Neben dem keramischen Material fanden
sich auch einige Sonderfunde. Zu nennen sind beispielsweise ein silberner
Denar des Kaisers Severus Alexander (geprägt 229 n. Chr. in Trier) sowie in
bronzener Fingerring.
Die Hölzer datieren nach dendrochronologischen Ergebnissen in einen Zeitraum
zwischen 673 n. Chr. bis um/nach 900 n. Chr. Damit ist der Burgwall der
erste Nachweis einer Befestigungsanlage dieser Zeitstellung im
nordwestdeutschen Raum und die Burg Groß Thun die älteste derzeit bekannte
mittelalterliche Burg zwischen Rhein und Elbe.
Do., 15.04.2010, 19:30 Uhr
Archäologische Highlights
aus Niedersachsen VI
Karl der Große und sein Kastell Höhbeck an der Elbe
Dr. Jens Schneeweiß, Göttingen
Mehrjährige Ausgrabungen im Rahmen eines Forschungsprojektes zur
slawenzeitlichen Besiedlung an der unteren Mittelelbe haben inzwischen
wichtige Erkenntnisse erbracht. Sie konnten einerseits Belege für über
hundert Jahre alte Vermutungen liefern, andererseits muss nun auch von
gewohnten Vorstellungen Abschied genommen werden. Im Vortrag werden u. a.
die neuen Forschungen an der Vietzer Schanze vorgestellt, einem der
wichtigsten frühgeschichtlichen Bodendenkmäler Niedersachsens. Lange galt
sie als mögliches Römerlager. Sie kann nun aber endgültig mit dem
Höhbeck-Kastell Karls des Großen identifiziert werden. Davon ausgehend
werden - im Zusammenhang mit den übrigen Grabungsergebnissen - die
Konsequenzen für die Geschichtsschreibung des 8. bis 11. Jahrhunderts an der
Ostgrenze des Fränkischen Reiches beleuchtet.

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