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Material- und werkstoffkundliche Untersuchungen
an spätmittelalterlichen Silberbarren
Erste Ergebnisse einer interdisziplinären Kooperation
Robert Lehmann1,
Carla Vogt1
und Reiner Cunz2
1
Institut für Anorganische Chemie, Leibniz Universität
Hannover, Callinstr. 9, 30167 Hannover.
2
Niedersächsisches Münzkabinett der Deutschen Bank, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Georgsplatz 20, 30159 Hannover.
Barrengeld nahm als monetäre Sonderform für
Großtransaktionen und den Fernhandel seit der Antike
eine wichtige Rolle in den monetären Wirtschaftssystemen
ein. In Niedersachsen gab es im Jahre 1382 sogar eine
Währungsunion für Barrengeld – die einzige ihrer Art.
Das
Niedersächsische Münzkabinett der Deutschen Bank
(Hannover) gelangte im Spätsommer 2005 durch die
Wiederentdeckung verschollener Teile des ehemals
königlichen Münzkabinetts zu Hannover in den Besitz von
20 Silberbarren des mittel- und norddeutschen
Raumes aus dem 14. Jahrhundert. In Zusammenarbeit mit
dem Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, dem
Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und
Archäologie (Weimar) und der Numismatischen Kommission
der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hannover)
wurde am Institut für Anorganische Chemie der
Leibniz Universität Hannover ein Forschungsprojekt
konzipiert.
Im Rahmen einer Diplomarbeit wurden diese wichtigen
Zeugnisse der Wirtschaftsgeschichte zerstörungsfrei auf
ihre Materialeigenschaften und
Herstellungscharakteristika hin untersucht. Zum Einsatz
kamen sowohl traditionelle als auch modernste Techniken.
Die Ergebnisse waren teilweise überraschend und halfen
einige wichtige Phänomene der älteren deutschen
Wirtschaftsgeschichte besser klären zu können. Neben
einer Charakterisierung der Stücke hinsichtlich
Feingehalt, der Herstellungstechnologie, der Homogenität
und einer Zuordnung der Stempelung wurde auch die
Herkunft des Rohsilbers untersucht. Als Ergebnis
kristallisierte sich eine Gruppe von Barren mit geringem
Feingehalt heraus, die in den historischen Quellen nicht
beschrieben zu sein scheinen. Ebenso wurden
Inhomogenitäten der Legierungen festgestellt, die auf
Besonderheiten der mittelalterlichen Gusstechnologie
hindeuten. Auch Fragen der geeigneten Konservierung,
Restaurierung und Lagerbedingungen (z. B. Vitrinenklima)
wurden behandelt und Empfehlungen formuliert. Die
Ergebnisse können helfen, diese historisch wichtigen
Objekte besser in Ausstellungen einzubinden und damit
den Besuchern ihren einzigartigen kulturellen Wert zu
vermitteln.
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