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Die Pfahlbauforschung beging
vor zwei Jahren ihr 150-jähriges Jubiläum, denn die ersten Pfahlbauten
wurden 1854 am Zürichsee und in knapper Folge am Bodensee entdeckt.
Während die frühe Forschung bei "Pfahlbauten" an Siedlungen auf
Plattformen dacht, wissen wir heute dass es sich um Häuser mit eigenen
vom Erdboden abgesetzten Fußböden handelte - ähnlich heutigen
Pfahlbauhäusern in Westafrika oder der Südsee. Diese Bauweise machte die
Gebäude überschwemmungssicher und ermöglichte eine Besiedlung der
waldfreien Seeufer-Strandplatten - hier musste der Wald nicht erst
gerodet werden, und das Einrammen der Pfähle war einfach. Zudem
erleichterte die Siedlungsanlage Fischfang und Verkehr auf dem
Wasserweg. Besiedlungsschwerpunkte sind für die späte Jungsteinzeit 4300-2600 v. Chr., für die frühe Bronzezeit 200-1400 v. Chr. und für die frühe süddeutsche Eisenzeit 1200-800 v. Chr. festzustellen. Besonders verbreitet ar die Pfahlbauweise an den großen Seen des Alpenrandes, für die starke Wasserspiegelschwankungen charakteristisch sind. An leinen Seen wie dem Federsee mit ihren mehr oder weniger stabilen Wasserständen wurden neben Pfahlbauten auch ebenerdige Gebäude errichtet, deren Fußböden man mit kreuz und quer gelegten Holzlagen vom feuchten Untergrund absetzte. Aufgrund eines sauerstoffarmen Milieus blieben in diesen "Feuchtbodensiedlungen" Materialien erhalten, die in Siedlung auf mineralischen Böden zumeist vergangen sind. Die Baumrindendatierung der Hölzer liefert ein zuverlässiges Zeitgerüst für das Werden und Vergehen der Siedlungen, und Hausruinen, Kleidungsspuren, Holzgerätschaften sowie Nahrungs- und Parasitenreste bieten detaillierte und faszinierende Einblicke in das Leben ihrer Bewohner. Die zeitlich gestaffelten Feuchtbodensiedlungen sind aufgrund ihrer hervorragenden Erhaltung Marksteine für die Erforschung von Hausbau-, Siedlung- und Wirtschaftsweise sowie der technologischen Entwicklung, mithin der Kulturentwicklung Europas von der Jungsteinzeit bis zur frühen Eisenzeit. Vortrag zum Seminar des Niedersächsischen Landesvereins für Urgeschichte, des Niedersächsischen Landesmuseums, des Freundeskreises Ur- und Frühgeschichte und der VHS Hannover "Kalt, feucht, zugig - wohnten so unsere Vorfahren?" (25.09.06 - 04.12.06)
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