Nicht
länger kopflos!
Das älteste Ross des
Landes soll vollständig gerettet werden
Gleich am Eingang zur Urgeschichtsabteilung des
Landesmuseums Hannover wartet auf den Besucher eine
archäologische Sensation - nur ist sie nicht eben leicht zu
erkennen. Was sich da aus hellbraunem Material anbietet, sieht
aus wie ein nach links umgekipptes, massives U mit halbem
unteren Strich. Da fehlt doch was! Stimmt, und wenn es
gefunden werden könnte, dann könnte man auch erkennen, was
das Objekt sein soll: ein handtellergroßes magisches
Amulett - wahrscheinlich - aus Bernstein in Pferdeform. Vor
zwölftausend Jahren ist das Kunstwerk entstanden, von
diesem Alter her ist es in Europa einzigartig. Und hier zu
Lande damit natürlich auch; wenn man so will, handelt es
sich um das älteste Niedersachsenross.
Der Tierfigur fehlt vor allem der Kopf.
Und den wollen sie unbedingt haben, Stephan Veil, Oberkustos
der Urgeschichtsabteilung des Museums und Finder der bisher
vorhandenen Bernsteinfragmente, sowie Ulrich Ruppert vom
Landesverein für Ur- und Frühgeschichte. Sie sind sich
auch sicher, wo er heute noch liegt: auf einem Acker im
Jeetzeltal bei Weitsche (Kreis Lüchow-Dannenberg). Dort
sind die Pferdebruchstücke bis 1998 ergraben worden, seit
ein Hobby-Archäologe 1985 dort einen Lagerplatz
steinzeitlicher Jäger entdeckt hatte. Aber eine Nachgrabung
würde mindestens 50 000 Mark kosten - und die trägt der
Etat des Landesmuseum nicht.Dass es sich tatsächlich um ein Pferd
handelt, enthüllt der genauere Blick: Am Hals zeigen
Einritzungen Ohr und Mähne. Die Figur stammt aus der
letzten Phase der Eiszeit, als die Steppenkultur von der
Waldjägerkultur abgelöst wurde. Dies bedingte auch einen
kulturellen Wandel: Die realistische figürliche Kunst des
Eiszeit ging über in eine abstrakte Ornamentik. Geschaffen
wurde das Pferd von den Federmesserleuten; diese heißen so
nach Pfeilspitzen, die sie herstellten. Die Pfeilspitzen
sowie Steinwerkzeuge, die gleichzeitig gefunden wurden,
lassen auch die Datierung der Figur zu.
Über Jahrtausende hat das Pferdchen
wahrscheinlich unversehrt im Boden gelegen und wurden dann
beim Ackern zerstört. Dabei kamen die Einzelteile ans
Tageslicht, die dann zusammengesetzt werden konnten. Nur der
Kopf, der fehlt eben noch. Veil und Ruppert hoffen nun auf
Sponsoren, damit sich dies bald ändert. Die Zeit drängt:
Der eigentlich kooperationswillige Bauer will sein Land
wieder unter den Pflug nehmen. Und dann müsste die Suche
wieder von vorn beginnen. Wenn sie nicht sogar aussichtslos
würde.Wer helfen will, wende sich an
Oberkustos Stephan Veil,
Telefon (0511) 9 80 77 02 oder per
E-Mail:
stephan.veil@pop-h.niedersachsen.de
Ekkehard Böhm
Weiteres
zum Thema:
Archäologie
als Fortsetzungsroman:
Die Entdeckung des Bernsteintiers von Weitsche
1994-1996
Langjährige Suche nach 14 000 Jahre altem
Bernsteinkopf erfolgreich
|