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Kopflos - und auf Sponsorensuche: 
Das "Urpferd"

Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
vom 23. Februar 2000

Das Bernsteintier von Weitsche

Nicht länger kopflos!
Das älteste Ross des Landes soll vollständig gerettet werden

Gleich am Eingang zur Urgeschichtsabteilung des Landesmuseums Hannover wartet auf den Besucher eine archäologische Sensation - nur ist sie nicht eben leicht zu erkennen. Was sich da aus hellbraunem Material anbietet, sieht aus wie ein nach links umgekipptes, massives U mit halbem unteren Strich. Da fehlt doch was! Stimmt, und wenn es gefunden werden könnte, dann könnte man auch erkennen, was das Objekt sein soll: ein handtellergroßes magisches Amulett - wahrscheinlich - aus Bernstein in Pferdeform. Vor zwölftausend Jahren ist das Kunstwerk entstanden, von diesem Alter her ist es in Europa einzigartig. Und hier zu Lande damit natürlich auch; wenn man so will, handelt es sich um das älteste Niedersachsenross.

Der Tierfigur fehlt vor allem der Kopf. Und den wollen sie unbedingt haben, Stephan Veil, Oberkustos der Urgeschichtsabteilung des Museums und Finder der bisher vorhandenen Bernsteinfragmente, sowie Ulrich Ruppert vom Landesverein für Ur- und Frühgeschichte. Sie sind sich auch sicher, wo er heute noch liegt: auf einem Acker im Jeetzeltal bei Weitsche (Kreis Lüchow-Dannenberg). Dort sind die Pferdebruchstücke bis 1998 ergraben worden, seit ein Hobby-Archäologe 1985 dort einen Lagerplatz steinzeitlicher Jäger entdeckt hatte. Aber eine Nachgrabung würde mindestens 50 000 Mark kosten - und die trägt der Etat des Landesmuseum nicht.

Dass es sich tatsächlich um ein Pferd handelt, enthüllt der genauere Blick: Am Hals zeigen Einritzungen Ohr und Mähne. Die Figur stammt aus der letzten Phase der Eiszeit, als die Steppenkultur von der Waldjägerkultur abgelöst wurde. Dies bedingte auch einen kulturellen Wandel: Die realistische figürliche Kunst des Eiszeit ging über in eine abstrakte Ornamentik. Geschaffen wurde das Pferd von den Federmesserleuten; diese heißen so nach Pfeilspitzen, die sie herstellten. Die Pfeilspitzen sowie Steinwerkzeuge, die gleichzeitig gefunden wurden, lassen auch die Datierung der Figur zu.

Über Jahrtausende hat das Pferdchen wahrscheinlich unversehrt im Boden gelegen und wurden dann beim Ackern zerstört. Dabei kamen die Einzelteile ans Tageslicht, die dann zusammengesetzt werden konnten. Nur der Kopf, der fehlt eben noch. Veil und Ruppert hoffen nun auf Sponsoren, damit sich dies bald ändert. Die Zeit drängt: Der eigentlich kooperationswillige Bauer will sein Land wieder unter den Pflug nehmen. Und dann müsste die Suche wieder von vorn beginnen. Wenn sie nicht sogar aussichtslos würde.

Wer helfen will, wende sich an Oberkustos Stephan Veil, 
Telefon (0511) 9 80 77 02 oder per E-Mail:
stephan.veil@pop-h.niedersachsen.de

Ekkehard Böhm


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